Haase-Reisen GmbH

Von Vancouver nach Calgary in 20 Tagen –

Ein Reisebericht von Marc und Nicole

 

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Ein bisschen was vorab:

 

Im Juni/Juli 2007 verbrachten wir einen fantastischen Urlaub in Westkanada. In den insgesamt 20 Tagen erlebten und sahen wir dabei so viele unvergessliche Dinge, dass es eigentlich für drei Urlaube reicht. Die Erlebnisse unserer Reise haben wir aus zwei Gründen als kleinen Reisebericht aufgeschrieben: Zum einem, um diejenigen, die mit Westkanada (noch) nicht viel anfangen können, für dieses traumhafte Land zu begeistern und zum anderen, um denjenigen, die einen Urlaub dort planen, mit unseren Erfahrungen weiter zu helfen und ihnen Tipps geben zu können. Dabei haben wir auch Sachen hineingeschrieben, die auf den ersten Blick vielleicht nur als unbedeutende Fußnote erscheinen, in unseren Augen aber durchaus wichtig sein können und nicht in jedem Reiseführer stehen. Apropos Reiseführer: Wir haben sehr gute Erfahrungen mit dem Buch "Kanada der ganze Westen mit Alaska" aus der "Reise Know-How"-Reihe gemacht. Es wurde von und für Leute geschrieben, die Kanada auf eigene Faust erkunden wollen und beschäftigt sich neben den Sehenswürdigkeiten auch sehr detailliert mit Fragen zur Reisevorbereitung, Dingen des täglichen Lebens und möglichen Reiserouten.

Wir hoffen, dass euch unser Reisebericht gefällt und er den einen oder anderen Tipp enthält. Und natürlich, dass er euch auf den "Kanada-Geschmack" bringt. Allen, die das Glück haben, demnächst durch Westkanada zu reisen, wünschen wir eine ganz tolle Zeit und einen ebenso unvergesslichen Urlaub wie wir ihn hatten. Grüßt Land und Leute von uns.

22. Juni 2007: Abflug und Ankunft in Vancouver

Der Hinflug nach Vancouver ging nonstop von Düsseldorf aus. Da wir weder unser Auto für knapp drei Wochen am Flughafen stehen lassen noch mit mehreren Koffern Bus und Bahn fahren wollten und uns leider auch keiner zum Flughafen fahren konnte, hatten wir uns dazu entschlossen, den Großteil unseres Gepäcks bereits am Vorabend unserer Reise aufzugeben. Dieser "Late Night Check In" hat bestens funktioniert. Morgens am Abreisetag fuhren wir dann recht entspannt mit unserem Handgepäck und öffentlichen Verkehrmitteln zum Flughafen. Der Flug selbst dauerte etwa neun Stunden, ging über Island, Grönland und Nordkanada und war Dank Fensterplatz und zumeist wolkenlosem Himmel recht kurzweilig. Am frühen Nachmittag Ortszeit landeten wir in Vancouver.

albrecht2Um Geld zu sparen, nahmen wir vom Flughafen aus einen Linienbus, um nach Vancouver Downtown zu kommen, wo unser Hotel war. Dies war allerdings ein schwerer Fehler. Vollbepackt mit unseren Koffern und Taschen bestiegen wir einen auch ohne uns schon rappelvollen Bus Richtung Downtown und waren wäh-rend der Fahrt vor allem damit beschäftigt, die anderen Fahrgäste nicht mit unserem Gepäck zu belästigen. Wir hatten daher nicht wirklich im Blick, wo wir genau waren und stiegen irgendwo in Downtown aus. Unser etwa drei Kilometer entferntes Hotel erreichten wir dann endlich nach mühsamer Schlepperei und jede Menge Verschnaufpausen nach gefühlten acht Stunden. Heute würden wir das anders machen: Entweder würden wir ein Taxi vom Flughafen zum Hotel nehmen, was mit etwa 30 CAN$ durchaus bezahlbar ist, oder wir würden den Busfahrer fragen, wo wir am besten aus- bzw. umsteigen. So wie fast alle anderen Kanadier, die wir trafen, sind auch die Busfahrer wahnsinnig freundlich und hilfsbereit und haben überhaupt kein Problem damit, während der Fahrt angesprochen zu werden. Sie helfen wo sie nur können; vor allem, wenn sie einen Touristen vor sich haben. Man muss nur fragen.

Unser Hotel, das Empire Landmark, war leider ziemlich mäßig. Das Personal war zwar sehr freundlich und die Aussicht vom Restaurant im 42. Stock durchaus beeindruckend, die sehr eingeschränkte Frühstücks-Auswahl und die etwas heruntergekommene Zimmerausstattung wie Wasserflecken am Lampenschirm und etwas klapprige Schränke haben uns aber schon gestört.

23. und 24. Juni 2007: Vancouver

In den vielen Reiseführern und Büchern, die wir vor unserem Urlaub gelesen hatten, wurde Vancouver überall als eine der schönsten Städte der Welt beschrieben. Nach knapp drei Tagen Aufenthalt haben wir aber eine andere Meinung von Vancouver. Zugegeben, die Lage der Stadt mit dem Pazifik im Westen und den Coast Mountains im Norden ist Albrecht2untenwirklich nett, der Stanley-Park ist mit seinem Blick auf Downtown, den schönen Spazierwegen, die auch durch den dichten Wald führen, zurecht hochgelobt, das Museum of An-thropology liefert einen interessanten Einblick in die Kulturen der "First Nations" und zum Shoppen gibt´s auch genug. Was wir sehr vermissten ist zum einen Geschichte zum Anfassen, z.B. in Form von alten Gebäuden. Die kann es nicht geben, da die Stadt erst etwa 150 Jahre alt ist, aber gefehlt hat sie uns trotzdem. Es gibt zwar einige alt aussehende Gebäude, dies sind aber zumeist auf alt gemachte Kirchen, die zwischen den vielen modernen Hochhäusern irgendwie seltsam verloren schienen. Außerdem gibt es leider so gut wie keine gemütlichen, beschaulichen Straßen, durch die man ganz in Ruhe spazieren kann. Es gibt vor allem die typischen schnurgraden und schachbrettartigen Straßen der nordamerikanischen Großstädte, die recht laut und hektisch sind. Das kleine Gastown im Zentrum ist zwar so ein Bereich, der in die Richtung eines verkehrsberuhigten Stadtkerns geht, er ist aber leider  
Albrecht3 total überlaufen. Ein Besuch in Gastown lohnt aber trotzdem, dort gibt es zwei Wahrzeichen von Vancouver, die Statue  des Stadtgründers Gassy Jack mit seinem Whiskyfass und die Steamclock, die viertelstünd-lich pfeift und stündlich Dampf ablässt. Außerdem befindet sich dort die Old Spaghetti Factory, ein sehr gutes und atmosphärisches Restaurant, das wir nur empfehlen können.

Bereits in diesen ersten Urlaubstagen merkten wir, wie aufgeschmissen man in Kanada und wahrscheinlich auch in ganz Nordamerika ohne Kreditkarte ist. Wir hatten zwar eine dabei, zahlten aber in vermutlich typisch euro-päischer Manier zu Beginn unseres Urlaubs immer in bar. Als wir eines abends kaum noch Bargeld hatten, machten wir uns auf die Suche nach einem Geldautomaten. Aus Unsicherheit, was es an Sondergebühren kosten würde, wenn wir mit der Kreditkarte Geld ziehen würden, versuchten wir unser Glück mit der normalen EC-Karte, mussten aber feststellen, dass es im Zentrum einer Millionenstadt wie Vancouver keine einzige Bank gab, bei der das möglich war. Nach längerem Suchen fanden wir an diesem Abend zwar einige kleine Krimskrams-Läden, in denen ein mit EC-Karten nutzbarer Geldautomat (sogenannte ATM´s) steht, aber der abhebbare Betrag war auf wenige hundert Dollar begrenzt. Und da man außerdem an den Besitzer des Ladens, in dem der ATM steht, bei jedem Abheben eine Gebühr von etwa 2 bis 3 CAN$ zahlen muss, gewöhnten wir uns schnell an die Gepflogenheiten und erledigten Vieles mit der Kreditkarte. Es ist einfach bequemer, wird praktisch überall akzeptiert und ist in manchen Fällen, wie z.B. bei Reservierungen, alternativlos.

Als wir unsere Reise einige Monate vorher buchen wollten, war unser Plan, am Montag, den 25. Juni den Camper zu übernehmen und gleich loszufahren. Doch leider waren alle in Frage kommenden Camper für diesen Tag bereits vergeben. Wir hatten daher umgeplant und uns den Camper ab den 23. Juni reserviert. Am diesem Vormittag mussten wir also zur Regionalstation von CanaDream in einem südlichen Vorort von Vancouver gelangen. Auf telefonische Nachfrage bei CanaDream erfuhren wir, dass es einen Shuttle-Service von Flughafen aus gab und dass ein Fahrer auf uns am Ausgang des Flughafengebäudes warten würde. Mit dem Linienbus fuhren wir dorthin und warteten. Aber es kam niemand. Als wir daraufhin nochmals bei CanaDream anriefen, klärte sich das Problem: Wir standen am falschen Gebäude, nicht am Ausgang des internationalen sondern des nationalen Flughafen mussten wir warten. Schnell wechselten wir das Gebäude und dort trafen wir auch den Fahrer, der uns zu CanaDream fuhr. Die Übernahme des Campers war trotz der Formalitäten angenehm und problemlos und die anschließende Einweisung in die Benutzung und das Fahren des Campers ließ keine Fragen offen.

Bis zum Beginn unserer Reise zwei Tage später stellten wir den Camper auf dem Capilano RV Park, dem von Vancouver Downtown aus nächstgelegenen Campingplatz, ab. Wenn wir vorher gewusst hätten, wie wenig uns Vancouver gefällt und wie kostbar jeder Tag war, an dem wir den Camper hatten, hätten wir ihn nur einen Tag geparkt. Und obendrein hätten wir auch noch etwa 30 CAN$ gespart.

25. Juni 2007: Auf nach Vancouver Island

Nach knapp drei Tagen Vancouver freuten wir uns auf unseren Camper und die Reise durch den kanadischen Westen. Diese Art zu Reisen ist in unseren Augen die Beste, um Kanada und seine atemberaubende Natur zu erleben. Viele Regionen, vor allem die Nationalparks, sind mit öffentlichen Verkehrmitteln nicht zu erreichen. Mit einem Camper ist man sehr flexibel, reist je nach Ausstattung durchaus komfortabel und hat jederzeit ein festes Dach über dem Kopf. Wie wir selber erfahren haben, können Wetter- und Temperaturwechsel gerade in den Rockys auch im Sommer ganz plötzlich auftreten und wer dann nur mit einem Zelt unterwegs ist, der steht schnell im Regen. Der größte Nachteil am Camper war für uns der sehr begrenzte Platz und die praktisch nicht vorhandene Möglichkeit, mal für sich zu sein. Dies sollte man sich vor der Buchung auf jeden Fall klar machen und auch nur mit solchen Leuten zusammen in einem Camper fahren, mit denen man sich (sehr) gut versteht, ansonsten kann das sehr nervenaufreibend werden.
Albrecht4 Was die Größe und Ausstattung des Campers angeht, da bieten die verschiedenen Verleih-Firmen eine breite Palette zur Auswahl. Uns war ein gewisses Maß an Komfort wichtig, deshalb hatten wir uns für einen 27 Fuß Camper – das sind ungefähr 8,20 m – mit Dusche, WC und kleiner Küche entschieden. Er verfügte über einen etwa 140 Liter großen Frischwassertank und einen etwa 250 Liter gro-ßen Abwassertank. Wenn man regelmäßig Cam-pingplätze ansteuert sind diese Mengen eigent-lich vollkommen ausreichend, wer aber wie wir in den ersten Tagen recht verschwenderisch mit dem Wasser umgeht, der sitzt bald auf dem Trockenen. Wir haben jedenfalls schnell gelernt, mit Wasser und auch mit Elektrizität bewusst und nicht verschwenderisch umzugehen.

Obwohl wir zuvor weder ein Fahrzeug dieser Größe noch einen Automatik-Wagen gesteuert haben, hatten wir mit dem Camper-Fahren überhaupt kein Problem. Die kanadischen Straßen sind fast überall sehr breit und meist in gutem Zustand und nach kurzer Zeit der Eingewöhnung fühlten wir uns vollkommen sicher. Das galt auch für die Fahrten durch Vancouver bzw. Calgary Downtown und die manchmal etwas kurvigen Nebenstraßen. Man sollte sich aber vor allem beim Parken, beim Abbiegen, beim Rückwärts fahren und beim Bergab fahren immer die Ausmaße bzw. das Gewicht des Campers vor Augen halten. Und in weniger dicht besiedelten Regionen tut gut daran, wer zu jeder Zeit den hohe Spritverbrauch berücksichtigt. Unser Camper beispielsweise verbrauchte etwa 30 Liter Benzin auf 100 km. Albrecht5

Die erste Fahrt ging zum Fährhafen Tsawwassen südlich von Vancouver, von wo aus wir nach Schwartz Bay auf Vancouver Island übersetzten. Auch wenn pro Tag mehr als ein Dutzend Fähren diese Strecke zurücklegen, kann es gerade zu den Hauptreisezeiten am Vor- und am Nachmittag zu länge-ren Wartezeiten kommen. Es empfiehlt sich da-her entweder Geduld mitzubringen oder auf an-dere Zeiten am Tag auszuweichen.

Mit dem Verlassen von Vancouver verließen wir auch das schlechte Wetter, dass wir, von kleinen Unterbrechungen abgesehen, seit der Ankunft hatten. Bei strahlendem Sonnenschein war die etwa 90-minütige Fährüberfahrt vorbei an vielen kleinen Inseln wirklich ein Erlebnis.

Noch unerfahren mit dem Auffinden und den Gepflogenheiten der Campingplätze entschlossen wir uns, auf Vancouver Island als Erstes eine Unterkunft für die Nacht zu suchen. In Kanada besteht zwar grundsätzlich außerhalb der Nationalparks die Möglichkeit des Campierens am Straßenrand oder auf einem Feldweg, wir entschieden uns aber an diesem wie auch an jedem Reisetag dagegen. Zu Anfang waren wir unsicher, wo genau wir Wild-Campieren konnten und wo nicht und nach ein paar Tagen wollten wir die Vorzüge eines Campingplatzes nicht mehr missen. Auch die kleinsten bieten die Möglichkeit, den Frischwassertank wieder aufzufüllen und haben zumeist auch eine Stelle, wo der Abwassertank geleert werden kann. Außerdem bieten sie Kontaktmöglichkeiten zu Gleichgesinnten oder Einheimischen, wodurch wir einige interessante Infos über lohnende Reiseziele, die besten Wege dorthin oder einfach nur über die Gegend erhielten.

In Kanada gibt es zwei Arten von Campingplätzen, die privaten und die staatlichen, wobei wir, wann immer es ging, den staatlichen den Vorzug gaben. Sie sind wesentlich billiger, liegen oft sehr idyllisch und sind viel ruhiger und anonymer. Bis zum Nachbarn sind es meist einige Meter, so dass man sich gut aus dem Weg gehen kann. Im Gegensatz zu den privaten gibt es auf den staatlichen Plätzen aber keinen Stromanschluss. Von diesem Vorzug abgesehen reizte uns an den privaten Plätzen nichts, im Gegenteil. Üblicherweise stehen auf diesen Plätzen die Camper direkt nebeneinander, mit Privatsphäre ist da nicht viel. Außerdem erinnerte uns die Aufmachung gar nicht selten stark an Club-Urlaub, Animation und Heimatabend inklusive. Und genau so einen Urlaub wollten wir eben nicht machen, deswegen sind wir ja durch die kanadische Natur gefahren.

Was die Möglichkeit der Reservierung eines Stellplatzes auf Campingplätzen angeht, so hatten wir vor und auch zu Beginn unseres Urlaubs alle nur denkbaren Infos erhalten. Wir machten aber die Erfahrungtz muss man eine bestimmte Telefonnummer wählen, die einen erst mit einem Sprachcomputer und dann mit einer Hotline verbindet) oder mit Einschränkungen verbunden (meist steht für die Reservierung nur ein bestimmtes Kontingent an Plätzen zur Verfügung, üblicherweise muss man seine Reservierung einige Tage vorher durchgeben und ohne eine Kreditkarte geht eigentlich gar nichts), aber gerade wer wie wir in die Touristenhochburgen wie die Nationalparks Jasper oder Banff möchte, wer einen recht engen Zeitplan für seine Camperreise hat, wer an einem bestimmten Tag Strom haben möchte oder wer sich einfach nur unnötigen Stress mit der Campingplatzsuche ersparen will, dem empfehlen wir die Reservierung mit Nachdruck. Damit die Reservierungen unsere Flexibilität nicht zu sehr einschränken, beschränkten wir uns dabei auf bestimmte Tage und fuhren damit sehr gut.

Unsere erste Nacht im Camper verbrachten wir auf McDonald Campground. Dieser kleine, staatliche Platz etwa 3 Kilometer südlich von Swartz Bay ist idyllisch, er liegt mitten in einem kleinen Wäldchen.

26. Juni 2007: Victoria

Jeder, der wie wir mit den typisch nordamerikanischen Städten nicht viel anfangen kann aber auch nicht nur Natur sehen möchte, dem empfehlen wir einen Abstecher nach Victoria. Die Stadt wurde vor etwa 160 Jahren gegründet und ist damit die älteste Stadt in Westkanada. Dies und die Tatsache, dass Victoria im Gegensatz zu Vancouver oder     
Albrecht6obenCalgary langsam gewachsen und mit knapp 100.000 Einwohnern recht überschaubar ist, ist wohl der Grund dafür, dass sie einen eigenen, so ganz anderen Charakter als die Millionenstädte hat. Im Stadtbild finden sich nur wenige Hochhäuser und im Bereich des Inner Harbour gibt es eine nette Fußgängerzone und verschie-dene schöne Gebäude. Ein besonderer Blickfang ist neben dem Nobelhotel "Fairmount The Empress" das Parlamentsgebäude, dessen Archi-tektur unverkennbar britisch ist. Auch an anderen Dingen lässt sich die Herkunft der Stadt ablesen: Rote Doppeldeckerbusse stehen für Stadtrund-fahrten bereit und direkt am Hafenbecken steht eine Statue von James Cook.

Klimatisch liegt Victoria klar auf der Sonnenseite. Laut Statistik gibt es in weitem Umkreis keine Stadt, die mehr Sonnenstunden, höhere Temperaturen und weniger Niederschläge hat als Victoria. Wir können das nur bestätigen, auch bei unserem Besuch war es sonnig und warm.

Nach einem ausgiebigen Stadtbummel mit geliehenem Audio-Guide aus dem Touristenbüro am Hafen Albrecht6fuhren wir zum Südrand von Victoria. Dort, im Beacon Hill Park, steht der Kilometerstein "0" des Trans Canada Highway und dort beginnt auch der Scenic Marine Drive. Diese Strasse führt direkt an der Küste östlich von Victoria entlang und bietet einen herrlichen Blick auf die Meerenge Juan de Fuca Strait und die dahinterliegenden Olympic Mountains, die zum US-Bundesstaat Washington gehören. Der Scenic Marine Drive ist zwar zum Teil recht kurvig, aber auch mit einem Camper gut zu befahren.

Im Anschluss verließen wir Victoria und folgten dem Trans Canada Highway nach Norden. Bei Parksville zweigt der Highway 4 nach Westen ab und nach wenigen Kilometern gibt es eine Ausfahrt zum Englishman Campground, wo wir die Nacht verbrachten. Am Rand dieses staatlichen Campingplatzes beginnt ein schmaler Wanderweg durch den wildromantischen Englishman River Falls Provincial Park, der auch zu den Wasserfällen führt, die dem Park seinen Namen gegeben haben.

27. Juni 2007: MacMillan Provincial Park

Als wir am nächsten Morgen die schmale Verbindungsstrasse zwischen dem Campingplatz und dem Highway 4 entlang fuhren, sahen wir in einiger Entfernung am Waldrand plötzlich ein sich plump bewegendes dunkelbraunes Etwas, das bald im Wald verschwand. Auch wenn uns nicht sicher waren, so verbuchen wir das dennoch unter "Bär gesehen".

Es ist bestimmt das Schicksal eines jeden Westkanada-Camper-Urlaubers, dass er völlig unabhängig von der Zeit, die er insgesamt zur Verfügung hat, irgendwann vor dem Problem steht, nicht alles sehen zu können, was er sich eigentlich vorgenommen hat. Uns ereilte diese Erkenntnis an diesem Morgen. Eigentlich wollten wir den Highway 4 mindestens bis Port Alberni fahren und unterwegs bei zwei oder drei der schönsten Provincial Parks anhalten. Da das aber auf Kosten unserer Aufenthaltszeit in den Rocky Mountains gegangen wäre (für die wir völlig richtiger Weise eine ganze Woche eingeplant hatten), entschieden wir uns schweren Herzens dagegen und machten nur einen Stopp im MacMillan Provincial Park.Der nicht allzu große Park beinhaltet ein kleines Waldgebiet mit mehreren Jahrhunderte alten Albrecht7Bäumen, wie sie früher weit verbreitet auf Vancouver Island waren. Viele Baumbestände wurden jedoch abgeholzt und sind dadurch nur noch ganz vereinzelt auf der Insel zu finden. Die Ausmaße der Bäume sind wirklich beeindruckend, teilweise erreichen sie eine Höhe von mehr als hundert Metern bei einem Umfang von bis zu zehn Metern. Einige haben auf den ersten Metern einen gespaltenen Stamm und sind innen hohl. Bei den größten von ihnen entsteht dadurch ein Hohlraum, in den man sich bequem mit einer Kleingruppe hineinstellen kann.

Am Nachmittag nahmen wir die Fähre in Nanaimo nach Horseshoe Bay nördlich von Vancouver. Die anschlie-ßende Fahrt über den Highway 99 in Richtung Norden sollte eigentlich ein entspanntes Küsten-Sightseeing in der Abenddämmerung werden. Daraus wurde aber leider nichts. Der größte Teil des Highway-Abschnittes von Vancouver bis Whistler wird aufgrund der olympischen Winterspiele in Vancouver im Februar 2010 noch bis zum Spätsommer 2009 verbreitert und man muss sich gerade bei einsetzender Dämmerung voll auf die aufgrund der Sprengungen des Berghanges teilweise recht verwirrende Verkehrsführung konzentrieren, von den Bodenwellen, Schotterflächen und dem Gegenverkehr mal ganz zu schweigen.

Da es schon fast dunkel war, entschieden wir uns, nicht mehr lange nach einem Campingplatz zu suchen und steuerten den Nächstgelegenen an. Dies war Dryden Creek Resorts, ein privater Campingplatz. Unser Stellplatz lag leider direkt vor den Waschräumen, so dass wir uns ein wenig wie Zootiere fühlten und die Anonymität und Weitläufigkeit der bisherigen Plätze zurück wünschten. Aber wenigstens hatten wir Strom, den es bei den staatlichen Plätzen ja nicht gibt. Im Vergleich mit den anderen privaten Plätzen, die wir in unserem Urlaub ansteuerten, war Dryden Creek aber gar nicht so schlecht. Die Stellplätze waren von einer kleinen Wiese umgeben und lagen auch nicht direkt nebeneinander, außerdem war es relativ ruhig.

28. Juni 2007: Coast-Mountains
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Unser erstes Ziel an diesem Tag waren die Shannon Falls kurz vor Squamish. Spektakulär stürzt das Wasserhier über mehr als dreihundert Meter in die Tiefe. Ein recht kurzer Weg führt von einem größeren Parkplatz direkt zum Fuß der Fälle, die von dort unten und von zwei weiteren Punkten weiter oben recht gut eingesehen werden können.

Weiter ging es über den Highway 99 nach Norden. Die Region um den Ort ist ein sehr bekanntes Skigebiet, hier werden die alpinen Skiwettbewerbe der olympischen Winterspiele 2010 stattfinden. Direkt am Highway liegt Whistler, das kleine, aber ziemlich mondäne Zentrum der Skiregion, das sich selber als "St. Moritz Kanadas" bezeichnet.

Nördlich von Whistler, so etwa zwischen Pemberton und Lillooet, ändert sich die Landschaft und mit ihr auch das Autofahren völlig. Die Gegend wird zunehmend schroffer und die Strasse enger, kurviger und steiler. Die ersten Kilometer bis zum Joffre Lakes Provincial Park sind steil und es geht nur langsam voran, aber dafür entschädigt der Provincial Park jeden, der den Weg auf sich nimmt. Auf dem Parklatz des Parks konnten wir ein kleines Hörnchen beobachten, wie es nur weniger Meter von uns entfernt in aller Seelenruhe Blüten und Nüsschen futterte. Durch den Park gibt es einen tollen Wanderweg, der bergan durch wildromantische Natur an insgesamt drei Seen (Lower, Middle und Upper Joffre Lake) vorbei führt. Man benötigt aber auf jeden Fall Wanderschuhe und wer bis ganz nach oben will, sollte neben viel Zeit auch warme Kleidung mitnehmen. Selbst im Sommer kann es recht frisch werden und vereinzelte Schneeflächen sind keine Seltenheit.

Albrecht8untenIn der Nähe des Joffre Lakes Provincial Parks ist der Pass auf knapp 1300 Metern Höhe erreicht und von da an geht es bergab. Das sollte man langsam angehen lassen, bis Lillooet gibt es viele Engstellen, scharfe Kurven und Brücken. Das Einzige, was in Lillooet einen Besuch wert sein soll, ist die Bäckerei eines ausgewanderten Deutschen, in der es richtiges Brot geben soll. Wir kamen aber leider erst nach Ladenschluss gegen halb sechs dort an, die Wanderung im Joffre Lakes Park dauerte länger als geplant.

Der letzte Abschnitt des Highway 99 hinter Lillooet ist wieder breiter, recht eben und nicht sonderlich aufregend, man erreicht schnell den querverlaufenden Highway 97. An dieser Stelle mussten wir eine grundsätzliche Entscheidung treffen. Unser nächstes großes Ziel, der Mount Robson Provincial Park, ist über zwei Varianten erreichbar: Der längere Weg führt auf dem Cariboo Highway über Williams Lake und Quesnel nach Prince George und weiter über den Yellowhead Highway nach Téte Jaune Cache, der kürzere über den Highway 1 (Trans Canada Highway) nach Kamloops und weiter über Highway 5 und Clearwater. Für den kürzeren Weg spricht der Zeitgewinn von etwa einem Tag sowie der laut Reiseführer sehr schöne Wells Gray Provincial Park, für den längeren die Möglichkeit, die alte Goldgräberstadt Barkerville zu sehen. Und diese Möglichkeit gab für uns den Ausschlag.

Albrecht9obenWir verbrachten die Nacht auf dem staatlichen Campingplatz Green Lake in der Nähe von 70 Mile House. Der Platz liegt sehr idyllisch am gleich-namigen See und das Betrachten des Sonnen-untergangs über dem Wasser war ein schöner Ausklang des Tages.

29. Juni 2007: Cariboo Highway

Dieser Tag stand unter der großen Überschrift "Fahren". Zunächst ging es viele Meilen auf den Cariboo Highway in nördlicher Richtung dahin. In der Goldgräberzeit, die vor etwa 150 Jahren begann, war dies die wichtigste Nord-Süd-Verbindung, die von tausenden von hoffnungsvollen Goldsuchern benutzt wurde. Damals entstanden viele Ansiedlungen und Versorgungsstationen (einige haben nur eine Meilenangabe als Namen; diese Angabe steht für die Entfernung nach Lillooet, damals eine bedeutende Stadt und eine der größten nördlich von San Francisco), in denen für einige Jahrzehnte das Leben brummte. Mit dem Albrecht9Ende der Goldrauschzeit folgte aber der rasche Niedergang und heute sind es zumeist nur noch kleine, verschlafene Nester, die nicht viel zu bieten haben. Auch die Landschaft entlang des Highways ist für westkanadische Verhältnisse wenig interessant und bietet kaum Anlass für längere Stopps, so dass wir rasch voran kamen. Der Highway schlängelt sich hügeliges Wiesen- und Buschland mit Wäldern im Wechsel und bei guter Sicht kann man manchmal die Coast-Mountains im Westen bzw. die Rocky Mountains im Osten sehen.

Am Nachmittag erreichten wir die Kleinstadt Quesnel, wo wir uns ein wenig die Beine vertraten. Mal abgesehen von einer sehr guten Touristeninformation, wo es neben vielen Broschüren und einem kostenlosen Internet-Anschluss auch sehr hilfsbereite Mitarbeiter mit viel Wissen von der Gegend gibt, ist in Quesnel aber kaum etwas von Interesse. Nach kurzer Zeit saßen wir wieder im Camper, diesmal dem Highway 26 Richtung Osten folgend. Rund 75 Kilometern später kamen wir am Barkerville Provincial Park Campground an, einem mittelgroßen, staatlichen Campingplatz knapp 10 Kilometer vor dem Museumsdorf Barkerville. Der Platz war ganz in Ordnung, durchschnittlicher Standard.

30. Juni 2007: Barkerville

Der Abenteurer Billy Barker fand dort, wo noch heute die nach ihm benannte Stadt liegt, Anfang der 1860er Jahre eine Albrecht10obenGoldader. Innerhalb kürzester Zeit sprach sich dies herum und Zehntausende kamen um ihr Glück zu machen. Barkerville platze bald aus allen Nähten und war für kurze Zeit die größte Stadt in ganz Westkanada. Aber auch hier ging es mit dem Versiegen des Goldes rasch bergab und Barkerville wäre vermutlich in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, wenn aus der Stadt nicht ein Freilichtmuseum mit viel Charme geworden wäre. Authentizität spielt in Barkerville eine ganz große Rolle. Es stehen zwar nicht mehr alle Gebäude von damals, aber diejenigen, die noch da sind, stehen an originaler Stelle und sind bemerkens-wert gut erhalten. Vor allem aber ist es das Konzept "Living history", was die Stadt heute ausmacht. Schauspieler schlüpfen in die Rollen von verschiedenen Bewohnern der damaligen Zeit, sind entsprechend gekleidet und verhalten sich auch originalgetreu. Wir bekamen das Leben in der GoldrauschzeitAlbrecht10unten dadurch unmittelbar gezeigt. In der Schule nahmen wir an einer Unterrichtsstunde teil (wobei vor allem das Sozialverhalten für uns auf dem Stundenplan stand) und an einem kleinen Fluss bekamen wir erklärt, wie man früher nach Gold gesucht hat. Darüber hinaus gibt es auch Andachten in der Kirche, Shows und Aufführungen im Theater, Ein-führungen ins Goldwaschen und vieles mehr. Dies in Kombination mit den Gebäuden, die fast alle begehbar und entweder als Museum oder Geschäfte der damaligen Zeit konzipiert sind, macht den Aufenthalt in Barkerville so kurzweilig und interessant und ist auch für Kinder eine spannende Sache. Wir genossen den Aufenthalt dort sehr und bereuten den Umweg im Vergleich zur Route über Kamloops und Clearwater zu keiner Zeit.

Erwähnen möchten wir noch, dass man in Barkerville auf jeden Fall feste Schuhe tragen sollte. Gar nicht selten gibt es dort auch im Sommer heftige Regenschauer, die die nicht asphaltierten Wege in Schlammpisten verwandeln, wie wir aus eigener Erfahrung berichten können.

Den Nachmittag verbrachten wir wieder unterwegs im Camper, über Quesnel und Hixon fuhren wir nach Prince George, dem nördlichsten Punkt unserer Reise, wo wir auf dem Hartway RV Park die Nacht verbrachten. Von allen privaten Plätzen hat uns dieser am besten gefallen, unser Stellplatz war von ein paar Bäumen umgeben, sauber und ruhig und das zu einem sehr anständigen Preis.

1. Juli 2007: Mount Robson Provincial Park

Prince George hat zwar etwa 70.000 Einwohner, aber trotz dieser Größe, die in weitem Umkreis keine andere Stadt erreicht, gibt es erstaunlich wenig zu sehen. Sie eignet sich aber aufgrund der zahlreichen Lebensmittelläden und anderen Geschäfte hervorragend zum Auffüllen der Camper-Vorräte, was auch an Sonn- und Feiertagen problemlos möglich ist. In Richtung Norden und Westen gibt es zunehmend seltener größere Siedlungen und von Anchorage im fernen Alaska mal abgesehen gibt es nichts, was auch nur annähernd an die Größe von Prince George herankommt. Aber auch wer wie wir in Richtung Osten zu den großen Nationalparks weiterfahren will, sollte sich in Prince George noch mal so richtig eindecken. In den Parks gibt es zwar Einkaufsmöglichkeiten, das Warenangebot ist dort aber sehr überschaubar und die Preise sind selbst für kanadische Verhältnisse recht hoch.

Die Fahrt auf dem Yellowhead Highway von Prince George nach Téte Jaune Cache war aufgrund des guten Ausbaus zwar sehr entspannt aber auch recht langweilig. Das beste war noch, dass die Rocky Mountains immer näher kommen, wer aber vorhat, den Icefields Parkway entlang zu fahren, sollte sich auf dem Yellowhead Highway nicht lange aufhalten und auch vermeintlich schöne Aussichten auf die Rockys ignorieren – der Parkway schlägt sie alle und das um Längen.Albrecht11 Einige Kilometer hinter Téte Jaune Cache erreichten wir den Mount Robson Provincial Park, benannt nach dem gleichnamigen Berg, der mit knapp 4000 Metern der höchste Gipfel der kanadischen Rocky Mountains ist. Er ragt majestätisch über alles andere hinaus und kann von z.B. von der Parkeinfahrt oder vom Besuchszentrum des Parks ein paar Kilometer weiter in seiner ganzen Schönheit bewundert werden. In der Nähe des Besuchszentrums gibt es sehr schöne Wanderwege in jeder Länge und jedem Schwierigkeitsgrad. Lohnenswert ist außerdem ein Abstecher zum langgestreckten Moose Lake, der ein paar Kilometer weiter direkt am Yellowhead Highway liegt. Die Elche, die es am Ostufer in größerer Zahl geben soll, sahen wir nicht, dafür hatten wir aber von steinigen Nordufer aus einen schönen Blick auf die Umgebung. Albrecht11unten

Abends auf dem Mount Robson Provincial Park Campground, der sehr schön mitten im Wald liegt, versuchten wir zum ersten Mal, auf dem typischen Feuerstellen der staatlichen Campingplätze zu grillen. Fest entschlossen, ein Feuer zu machen, legten wir los, aber das Einzige, was wir lange Zeit schafften, war die Anzahl der Mücken in unserer Nähe deutlich zu erhöhen. Unsere kläglichen Versuche musste unser Nachbar mitbekommen haben, der uns nicht nur erklärte, wie es geht, sondern uns auch noch einen großen Teil seines gesammelten Reisigs schenkte. Mit seinen Tipps und seinen Hölzchen ging es daraufhin wie geschmiert. Die Steaks, die nach kurzer Zeit fertig waren, waren die leckersten Steaks, die wir seit langem gegessen haben. Vollkommen satt und glücklich darüber, es geschafft zu haben, aber auch ziemlich zerstochen gingen wir an diesem Abend ins Bett.

2. und 3. Juli 2007: Jasper National Park

Direkt an Mount Robson Provincial Park schließt sich Jasper National Park an. Mit der Einfahrt in den Nationalpark betraten wir die Provinz Alberta. Jeder, der Jasper National Park betritt (Gleiches gilt auch für Banff NP, Yoho NP und Kootenay NP), muss Eintritt zahlen. Abgerechnet wird tageweise, wobei die gesamte Aufenthaltsdauer in allen vier Nationalparks zugrunde gelegt wird und bezahlt wird im Voraus. Wer sich während seines Aufenthalts dazu entschließt, länger aus ursprünglich geplant zu bleiben, zahlt bei der Ausfahrt nach.

Dieser Eintritt sollte aber niemanden von einem möglichst langen Besuch der Nationalparks abhalten. Für insgesamt sieben Tage zahlten wir für uns und unseren Camper etwa 120 CAN$, was im Vergleich zu den anderen Urlaubsausgaben ein Klacks ist. Dafür bekamen wir eine atemberaubende, faszinierende und unfassbar schöne Landschaft zu sehen, die es in dieser Größe nur schwerlich noch einmal auf dieser Welt gibt. Wir sind immer schon "Landschafts-Urlauber" gewesen und haben die Erfahrung gemacht, dass man für einen traumhaften Blick auf ein bestimmtes Stück Natur oftmals einen ganz bestimmten Punkt aufsuchen muss, andernfalls ist es bestenfalls noch ganz nett. In den Nationalparks der kanadischen Rocky Mountains aber konnten wir uns für ein grandioses Panorama eigentlich fast überall hinstellen. Wir hatten ganz oft das Gefühl, von Realität gewordenen Postkarten umgeben zu sein und spätestens beim Besuch vieler "echter Sehenswürdigkeiten" wollten wir am liebsten die Zeit anhalten um länger bleiben zu können. In den Nationalparks gibt es übrigens zumeist keinen Handyempfang– was aber nicht schlecht sein muss. Albrecht12Nach der Einfahrt in den Nationalpark gelangten wir über den Yellowhead Highway recht schnell zur Stadt Jasper. Viel zu sehen gibt es hier nicht und mal abgesehen vom Touristenzentrum, das gutes Kartenmaterial und viele nützliche Tipps bereit hält, sollte man sich in der Stadt nicht lange aufhalten, die Zeit kann man besser nutzen. Von Jasper aus fuhren wir den Yellowhead Highway weiter bis zu den heißen Quellen Miette Hot Springs. Vom Parkplatz dieses Freiluft-Schwimmbades aus führt ein nicht allzu überlaufener und recht schöner, mittelschwerer Wanderweg in die umliegenden Berge. Sehr störend war leider die Vielzahl von Mücken, die uns mächtig nervten, weshalb wir auf halber Strecke wieder umkehrten. Allerdings haben wir auch an anderen Stellen immer wieder feststellen müssen, dass die Rocky Mountains im Sommer und Stechmücken einfach zusammen gehören. Selbst bei der Verwendung kanadischer Mückenabwehr-mittel (europäische Mittel bringen gar nichts) auf allen exponierten Körperstellen (das ganze Gesicht und den Nacken eingeschlossen) ist es unvermeidlich, irgendwann erwischt zu werden. Sogar durch die Jeans hindurch wurden wir gestochen. Am besten behandelt man die frischen Stiche mit einer cortisonhaltigen Creme und legt sich zusätzlich ein "dickes Fell" zu. Nach der Wanderung gingen wir noch in die heißen Quellen, was wie sehr genossen.

Auch die Nacht auf Pocahontas Campground war leider von Mücken geprägt. Auf den ersten Blick machte dieser staatliche Platz eigentlich einen guten Eindruck, nicht zu groß, ruhig und verwinkelt im Wald. Aber sobald es zu dämmern begann, kamen Hunderte von Mücken hervor und belagerten unseren Camper. Egal, zu welchem Fenster wir hinaussahen, auf jeder Scheibe saß mindestens ein Dutzend dieser nervigen Viecher und ein Vielfaches davon flog hin- und her. Irgendwo an unserem Camper musste es eine Verbindung nach draußen gegeben haben und durch diese kamen dann abends und nachts die Mücken rein, morgens sahen wir entsprechend aus. Diejenigen Campingplatz-Besucher, die im Zelt übernachteten, waren vermutlich noch schlimmer dran, die hätten sich im Spiegel wohl nicht mehr wiedererkannt. Wir wissen nicht, ob Pocahontas immer eine derartige Mückenhochburg ist, warnen aber ausdrücklich jeden davor, dort zu übernachten.

Am nächsten Morgen, als wir den Yellowhead Highway in Richtung Jasper zurückfuhren, erlebten wir zum ersten Mal ein ganz typisches Phänomen der Nationalparks, das sich in den folgenden Tagen noch oft abgespielt hat. Der Straßenverkehr in den Nationalparks ist verglichen mit den deutschen Verhältnissen selbst in den Sommermonaten ziemlich gering. Meist begegneten wir kaum einem Fahrzeug, nur ab und zu kam uns etwas entgegen, es überholte uns ein sportlich fahrenden Kanadier (durchaus auch ein anderer Camper oder ein Truck) oder es stand ein Fahrzeug am Straßenrand. Immer wieder kam es jedoch vor, dass plötzlich eine ganze Gruppe von Fahrzeugen ganz langsam fuhr, so dass sich ein kleiner Stau bildete oder dass am Straßenrand außerhalb von offiziellen Parkmöglichkeiten ein halbes Dutzend PKW bzw. Camper stand. So etwas ist ein untrügliches Zeichen, dass irgendwo ganz in der Nähe wilde Tiere zu sehen sind. Auch wenn man nicht vorhat, auf Foto-Safari zu gehen oder wenigstens nach den Tieren Ausschau zu halten, empfiehlt es sich dennoch, sehr langsam an diesen Fahrzeugen vorbei zu fahren, da man jederzeit damit rechnen muss, dass entweder die Tiere oder kopflose Touristen auf die Fahrbahn laufen.Albrecht13Nach unseren Erfahrungen können wir diese Situationen sehr zur Tierbeobachtung und –fotografie empfehlen. Die Tiere befinden sich oftmals nur wenige Meter entfernt in ihrer natürlichen Umgebung. Bei diesen Gelegenheiten konnten wir u.a. Bergziegen, Bergschafe oder verschiedene Hirsch-Arten beobachten. An diesem Morgen war es eine Gruppe Bergschafe. Wir möchten an dieser Stelle aber im Namen der Tiere jeden Beobachter mit Nachdruck um die Einhaltung einiger Grundregeln bitten: Es handelt sich dabei nicht um einen Streichelzoo sondern um wilde Tiere, die auch aggressiv werden können, wenn man sie in die Enge treibt, wenn sie ein Jungtier dabei haben, wenn man sich zu schnell bewegt oder wenn man ihnen zu nahe kommt. Man sollte sich daher unbedingt langsam vorgehen und einen Mindestabstand einhalten. Selbst mit einer durchschnittlichen (Foto-)Ausrüstung gelingen dann immer noch schöne Bilder.

Dieses Vorgehen sollte man aber ganz schnell vergessen, wenn es sich um einen Bären handelt. Langsam Vorbeifahren und Fotografieren aus dem fahrenden Auto ist in Ordnung, anhalten oder sogar aussteigen hingegen strengstens verboten. Dies hat nicht nur mit Selbstschutz sondern auch mit Tierschutz zu tun. Solange sich der Straßenverkehr bewegt, ist er für Bären uninteressant, stehende Fahrzeuge oder Fußgänger aber können sie neugierig machen. Sie können sich dadurch an den Menschen gewöhnen und dringen dann auch in Siedlungen oder auf Campingplätze ein, wobei sie in der Regel erschossen werden. Im Interesse der Bären sollte man ihnen also keine Gelegenheit der Annäherung an den Menschen geben.

Albrecht14obenIm Verlauf des Tages haben wir zwei Seen besucht: Maligne Lake und Medicine Lake. Maligne Lake ist sicherlich der bekanntere der beiden Seen. In der südlichen Hälfte des langgestreckten Sees befindet sich Spirit Island, das Fotomotiv der kanadischen Rocky Mountains schlechthin, das wohl jeder schon einmal gesehen hat. Die kleine Insel ist aber nicht über einen Wanderweg sondern nur per Ausflugsboot zu erreichen. Wir haben den Bootstrip nicht gemacht und sind im Rückblick auch ganz froh darüber. Spirit Island ist sicherlich ganz nett, wir haben aber im Verlauf unserer Reise viel schönere Flecken gesehen. Und dazu kommen noch die 82 CAN$, die wir beide dadurch gespart haben. Im nördlichen Bereich des Maligne Lake, in der Nähe der Anlegestelle der Ausflugsboote, beginnt aber ein recht schöner und sehr einfacher Wanderweg, den wir empfehlen können. Und Rehe gab es dort auch. Albrecht14u
Etwa auf halber Strecke von Jasper zu Maligne Lake liegt Medicine Lake. Dieser See ist weniger bekannt und Wanderwege gibt es dort auch nicht, dafür aber neben einem fantastischen Ausblick von einem Aussichtspunkt am Nordufer des Sees ganz viele Pikas. Diese possierlichen kleinen Nager, die an eine Mi-schung aus Hamster und Maus erinnern, bewoh-nen einen größeren Geröllberg in der Nähe des Aussichtspunktes. Wenn die Sonne scheint, zei-gen sie sich, entweder wuseln sie dann herum oder sitzen still da und genießen die Wärme. Zur Beobachtung sollte man etwas Zeit mitbringen, denn durch ihre Fellfarbe sind sie hervorragend getarnt und nur schwer zu entdecken.

Als wir uns am Nachmittag der Einfahrt von Whistlers Campground näherten, waren wir richtig froh, dass wir einige Tage vorher einen Stellplatz reserviert hatten. Dieser Platz ist der größte und der beliebteste im Jasper Nationalpark und dementsprechend geht es dort zu wie im Taubenschlag. Vor dem Kassenhäuschen gab es eine lange Camper-Schlange und unter ihnen waren auch einige, die nach langem Warten in der Schlange und einem kurzen Gespräch mit einem Mitarbeiter im Kassenhäuschen umdrehten und Richtung Jasper fuhren. Als wir an der Reihe waren und nachfragten, erfuhren wir, dass der Platz komplett ausgebucht war. Diejenigen, die zurückfuhren, hatten keine Reservierung. Der Platz selbst war übrigens recht gut und in der Nacht auch relativ ruhig.

4. Juli 2007: Icefields Parkway – nördlicher Teil

Der Icefields Parkway ist ein gut 200 km langer, gut ausgebauter Highway, der südlich von Jasper beginnt und kurz vor Lake Louise auf den Trans Canada Highway trifft. Wir finden, dass er zurecht als eine der schönsten Straßen der Welt bezeichnet wird. Bei Sonnenschein und klarem Wetter, was wir glücklicherweise hatten, jagt ein Landschafts-Highlight das nächste und wir kamen aus dem Staunen teilweise nicht mehr heraus. Aufgrund dieser enormen Dichte an landschaftlichen Sehenswürdigkeiten sollte raten wir jedem, für den Parkway etwa drei Tage einplanen. Albrecht15oNach unserer Abfahrt von Whistlers Campground folgten wir auf den ersten etwa 50 Kilometern des Parkways dem Lauf des Athabasca River. Immer wieder gibt es schöne Ausblicke auf und über den Fluss, der eine ganz typische türkis-blaue Farbe hat. Sie geht auf Mineralien und Sedimente im Wasser zurück, die Teile des Sonnen-lichtes reflektieren. Ganz besonders beein-druckend ist dieses Farbenspiel bei einigen Seen, die westlich der südlichen Hälfte des Parkways liegen, der zum Banff Nationalpark gehört. Albrecht15mEin erster Höhepunkt des Parkways waren die Athabasca Falls etwa 30 Kilometer südlich von Jasper. Mit nur etwa 20 Metern sind diese Wasserfälle nicht allzu hoch, aber da sie wie auch der obere und der untere Flusslauf komplett eingesehen werden können, loht sich ein Abstecher auf jeden Fall. Bei Sonnenschein kann man außerdem in der aufspritzenden Gischt des Wasserfalls einen Regenbogen erkennen. Die Athabasca Falls sind zwar zu den Haupttouristenattraktionen und daher recht überlaufen, wirklich gestört hat uns das aber nicht.

Im weiteren Verlauf des Parkways steigt die Strasse langsam an und zahlreiche Aussichtsplätze laden zum Halten ein. Vor allem ab Jonas Creek Campground etwa 80 Kilometer südlich von Jasper lohnt sich der Stopp an fast jedem Punkt. Unmittelbar vor der Grenze zum Banff Nationalpark liegt das Columbia Icefield, eine etwa 2000 Meter hoch gelegene größere Eisfläche, an die einige Gletscher angrenzen. Einer davon ist der Athabasca Gletscher, zu dem ein kurzer, recht steiler Wanderweg führt. In unregelmäßigen Abständen stehen am Wegesrand Tafeln mit Jahreszahlen, sie geben an, bis wohin der Gletscher im jeweiligen Jahr reichte. Wir fanden es recht beängstigend, so unmittelbar zu sehen, wie weit sich der Gletscher in den letzten etwa 100 Jahren zurückgezogen hat. Aus Sicherheitsgründen kann der Großteil des Gletschers nicht betreten wer-den, es gibt aber ein kleines Stück, bei dem das möglich ist. Dies ist gleichzeitig auch das Ende des Weges. Die Wanderung zum Gletscher war nett und die Aussicht unterwegs wirklich beein-druckend. Aufgrund des ständigen Windes waren wir aber ganz froh, dass wir eine Jacke dabei hatten.

Albrecht15uWeniger nett hingegen waren die Touristenhorden, die sich zwischen den Gletscher und dem Icefields Center, einem großen Gebäude am Rande des Parkway, aufhielten. Dort ging es zu wie im Schlussverkauf, was im krassen Gegensatz zu der ansonsten eher ruhigen Atmosphäre entlang des Parkways stand. Dies ist vermutlich der Grund, weshalb es dort leider auch einige Touristenfallen gibt. Die in jeder Hinsicht größten sind wohl die Snow Coaches, busähnliche Mobile, die einen für stolze 32 CAN$ zu einem Punkt des Gletschers bringen, der nur etwas höher als der am Ende des Wanderweges liegt.

Unseren Stellplatz in der folgenden Nacht hatten wir auf Wilcox CreekAlbrecht16o Campground, der nur wenige Kilometer südlich des Icefields Center am Parkway liegt. Dieser staatliche Campingplatz war von allen Plätzen, die wir während unseres Urlaubs besucht hatten, der schönste. Die Stellplätze sind in Reihen jeweils etwa zu zehnt angeordnet, wobei die einzelnen Plätze zum Teil recht weit von einander entfernt liegen und die Reihen terrassenförmig am Hang entlang verlaufen. Dazu kommt noch, dass es dort viele Bäume gibt, was uns alles zusammen genommen das Gefühl vermittelt hat, alleine im Wald übernachten. Ach ja, die Erdhörnchen, die dort herumliefen, trugen natürlich auch ihren Anteil zum Wohlfühlen bei.

5. Juli 2007: Icefiels Parkway – südlicher Teil

Direkt am Fuß des Wilcox Creek Campground beginnt der herrliche Wilcox Pass Wanderweg, den wir an diesem Morgen in Angriff nahmen. Wenn es Reiseplanung (mit etwa 4 Stunden sollte man rechnen) und Wetter (wir hatten klare Luft und strahlenden Sonnenschein) erlauben, sollte man diesen Wanderweg auf jeden Fall mitnehmen. Er ist nicht allzu schwer, führt genau gegenüber des Columbia Icefields durch verschiedene Vegetationsstufen und bietet dabei fantastische Ausblicke, u.a. auf den Athabasca Gletscher und die Berge ringsum. Beginnend auf etwa 1800 m Albrecht16uführt der Weg zunächst etwas steiler bergan durch einen Nadelwald, bis wir nach etwa 30 Minuten zu einem kleinen Felsplateau kamen, von wo wir einen ersten tollen Blick auf das Columbia Icefield hatten. Weitere folgten im Verlauf des Anstieges. Von diesem Plateau an wurde der Weg flacher und erreichte bald die Baumgrenze. Weiter oben dominierten Büsche und Sträucher die Landschaft. Zusätzlich zu einem rauschenden Gebirgsbach sahen wir am Himmel kreisende Greifvögel und in Erdlöchern verschwindende Erdhörnchen. Nach etwa 2,5 Stunden und rund 4 km erreichten wir den Wilcox Pass auf 2375 m Höhe. Dort oben gibt es nur noch wenig Vege-tation in Form von Moosen und kleinen Pflanzen, außerdem auch im Sommer abseits des Weges vereinzelte Schneefelder. Wer möchte, kann jenseits des Passes noch etwa 7 bis 8 km bergab weiterwandern, was wir sind aus Zeitgründen nicht getan haben. Zurück an unserem Camper fuhren wir anschließend auf dem Parkway Richtung Süden weiter. Nach etwa 2 km erreichten wir den Sunwapta Pass, der die Grenze zwischen Jasper und Banff Nationalpark bildet und mit 2030 m der zweithöchste Punkt des Parkways ist. Die nächsten rund 40 km ging es mehr oder weniger steil bergab, dabei kamen wir immer wieder an Parkplätzen oder Aussichtspunkten mit tollem Ausblick vorbei. Besonders in der Nähe des Passes gibt es davon eine ganze Menge. Unseren nächsten von vornherein geplanten Halt machten wir bei Saskatchewan Crossing, wo der Highway 11 auf den Parkway trifft. Dort befindet sich die einzige Tankstelle zwischen Jasper und Banff. Sie ist zwar nicht billig, am Tanken kamen wir aber nicht vorbei. Albrecht17oEtwa 20 km südlich von Saskatchewan Crossing beginnt das vielleicht schönste Teilstück des Parkways. Auf den rund 60 km bis Lake Louise reiht sich westlich der Straße ein Bergsee an den anderen und es ist wirklich schwer zu entscheiden, welcher der schönste ist. Wir können es nicht. Sie alle haben die typische türkis-blaue Farbe, die wir schon beim Athabasca River bewunderten. Besonders eindrucksvoll ist sie beim Anblick von oben, aufgrund der strahlenden Färbung hatten wir dann manchmal das Gefühl, die Seen würden leuchten. Aber auch der Blick vom Seeufer aus ist klasse. Noch ein gutes Stück in den See hinein kann man den Grund erkennen, so klar ist das Wasser. Von Norden kommend machen die Waterfowl Lakes den Anfang. Sie liegen direkt hintereinander, verbunden durch einen kurzen Abschnitt des Mistaya River. Zwischen den Seen, am Fluss entlang, kann man schön spazieren gehen und dort befindet sich auch der größere Waterfowl Lake Campground, wo wir übernachteten. Er hat uns gut gefallen, für seine Größe war er recht ruhig und sauber.

6. Juli 2007: Lake Louise

Albrecht17mAm nächsten Morgen ging es den Parkway weiter bis Lake Louise. Nach wenigen Kilometern Fahrt sahen wir plötzlich direkt am Rand der Straße einen Schwarzbären. Das Ganze ging so schnell, dass wir keine Chance auf ein Foto hatten. Um das Nachzuholen, wendeten wir bei nächstbester Gelegenheit und diesmal schien alles zu passen: Bär uneingeschränkt am Straßenrand sichtbar und Kamera im Anschlag. Doch blöderweise fuhren wir just in dem Mo-ment, als ich den Auslöser drückte, durch ein kleines Schlagloch auf der Straße, so dass es die Kamera etwas verrissen hat. Nochmaliges Wen-den brachte dann leider nichts mehr, der Bär war in der Zwischenzeit im Wald verschwunden. Somit ist das Albrecht17uVerwackelbild leider das einzige Bärendokument, das wir haben.

Südlich der Waterfowl Lakes beginnt der Park-way wieder anzusteigen und nach etwa 15 km erreicht er Bow Summit, seinen mit 2088 m höchsten Punkt. Unmittelbar dahinter zweigt eine kleine Stichstraße nach Westen ab, die recht bald an einem größeren Parkplatz endet. Ein kurzer Wanderweg beginnt am Ende des Parkplatzes und führt leicht bergan durch einen lichten Wald zu einem Aussichtspunkt hoch oberhalb von Peyto Lake. Selbst in der allergrößten Eile sollte man sich diesen Anblick nicht entgehen lassen. Mit dem Erreichen des Aussichtspunktes öffnete sich der Wald und wir hatten plötzlich eine kilometerweite freie Sicht auf die umliegenden Berge und zu unseren Füßen lag wie ein funkelndes türkisfarbenes Juwel Peyto Lake. Ein unglaublicher Anblick, den wir nie mehr vergessen werden.

Nach weiteren rund 6 km auf dem Parkway erreichten wir Bow Lake. Wie bei den Waterfowl Lakes kann man auch am Bow Lake schön am Ufer entlang spazieren, zusätzlich gibt es dort einige Picknick-Tische.

Ohne weitere Zwischenstopps erreichten wir dann Lake Louise, neben Banff der zweite bedeutende Ort in Banff Nationalpark. Der Ort Lake Louise ist wenig interessant, eignet sich aber sehr gut zum Auffüllen sämtlicher Vorräte und hat ein hervorragendes Touristenzentrum, wo man sich mit Karten und Infos zu den Attraktionen der Umgebung eindecken kann. Und davon gibt es so viele, dass man ohne Mühe eine ganze Woche rumkriegt. So viel Zeit hatten wir aber leider nicht. Für den Nachmittag entschieden wir uns für den Besuch des Sees Lake Louise und den Aufstieg zu Lake Agnes. In einem Reiseführer lasen wir, dass der See Lake Louise der meistbesuchte Bergsee der Welt sein soll.
Albrecht18Wir haben zwar bisher nur sehr wenige Bergseen gesehen, glauben das aber sofort. Der Parkplatz am Ostende des Sees war trotz seiner Größe bereits rappelvoll, als wir am späten Mittag dort ankamen und der Promenadenbereich rund um das Fairmount Chateau erinnerte uns stark an die Schildergasse in Köln, nur dass hier keine Panflöten oder Gitarren sondern Alphörner gespielt wurden. Um diesem Trubel zu entgehen, machten wir uns gleich auf zum Lake Agnes. Der Wanderweg dorthin war nicht allzu schwer und führte uns auf etwa 3,5 km durch einen Nadelwald am kleinen Mirror Lake vorbei. Am malerischen Lake Agnes gibt es ein gemütliches kleines Teehaus, wo wir uns bei einer Tasse Tee und leckeren selbstgebackenen Schoko-Keksen vom Aufstieg erholten. Direkt vor der Terrasse des Hauses auf einigen größeren Steinen tummelten sich zahme gestreifte Erd-hörnchen. Hinter dem Teehaus zweigtAlbrecht18u ein kleiner Wanderweg zum etwa einen Kilometer entfernten Aussichtspunkt Little Beehive ab, der uns sehr empfohlen wurde. Obwohl wir schon ziemlich müde waren, machten wir uns auf den Weg und wurden mit einem grandiosen Panorama belohnt. Der Weg endet an einen Felsplateau hoch über Lake Louise und Bow River, von wo man meilenweit sehen kann. Die Landschaft konnten wir am besten auf uns wirken lassen, als wir uns auf eine Bank setzten und still genossen. Alternativ zu Little Beehive gibt es den Aussichtspunkt Big Beehive, ihn erreicht man über einen etwa 1,5 km langen Weg, der vom Teehaus aus um Lake Agnes herumführt.

Der Campingplatz für die anschließende Nacht, der staatliche Lake Louise Trailer Park, fiel gegenüber den tollen Erlebnissen des Tages leider deutlich ab. Die Stellplätze lagen zum Teil recht dicht nebeneinander auf einem nahezu baumlosen Schotterplatz, wir hatten eher das Gefühl, auf einem Parkplatz zu sein.

7. Juli 2007: Moraine Lake und Lower Consolation Lake

Albrecht19oAm nächsten Morgen besuchten wir zunächst Moraine Lake. Dieser See ist gerade bei Touristen, die wenig Zeit haben, sehr beliebt. Er ist über eine recht gut ausgebaute Straße erreichbar und direkt an seinem Nordende gibt es einen größeren Parkplatz. Als wir am Vormittag dort ankamen, war es bereits voll mit Campern und Reisebussen. Vom Parkplatz aus führte uns der sogenannte Rockpile Trail, ein sehr kurzer Wanderweg, hinauf auf einen Geröllhügel, der sich am Nordostufer des Sees befindet. Von den Touristenmassen, die den Weg bevölkern, sollte man sich nicht abschrecken lassen. Von der Spitze des Geröllhügels hatten wir einen derartig grandiosen Ausblick auf den See und die dahinter liegenden Berge, dass wir uns kurz gefragt hatten, ob der Hügel vielleicht von Menschenhand für die vielen Touristen aufgestapelt wurde. Dem ist aber nicht so, es ist dies eine reine Laune der Natur. Wer von dort Fotos machen möchte, der sollte übrigens morgens oder spätestens am Vormittag dort stehen, dann ist das Licht am besten. Nach dem Abstieg vom Hügel wanderten wir auf den wenig genutzten Weg zum Lower Consolation Lake. Nach anfänglicher Kraxelei über einige weitere Geröllfelder führt der etwa 3 km lange Weg recht gemütlich an einem kleinen Bach entlang durch einen Nadelwald. Zu Beginn des Weges wurde zwar mittels Schautafeln vor Bären gewarnt und das Wandern in Gruppen angeraten, einem Bären begegnet sind wir aber nicht, auch Bärenspuren sahen wir nicht. Der Weg endete an einem weiteren Geröllfeld am Nordufer des Lower Consolation Lake, das einige scheue MurmeltiereAlbrecht19u beherbergt. Wir haben festgestellt, dass sie sich am Besten beobachten ließen, als wir uns ganz still auf einen Stein stellten und still warteten. Im Gegensatz zu manch anderen Tieren hielten sie einen größeren Abstand zu uns, verschwanden rasch zwischen den Steinen, sobald wir uns auf sie zu bewegten und kamen an ganz anderer Stelle wieder zum Vorschein. Nicht ganz so ängstlich waren die Jungtiere, wir hatten das Glück, eines beobachten zu können.

Nach gefühlten fünf und tatsächlichen neunzig Minuten machten wir uns auf den Rückweg zum Parkplatz bei Moraine Lake. Von dort ging es dann über Lake Louise nach Banff. Für die Fahrt wählten wir den Bow Valley Parkway, der etwas kürzer und reizvoller als der alternative Trans Canada Highway ist. Die Strasse schlängelt sich durch Wälder und Wiesen und brachte uns recht schnell nach Baff. Aus Zeitgründen machten wir nur einen kurzen Stopp in Höhe der Castle Mountains, einer recht imposanten mehrgipfligen Felsformation.

Übernachtet haben wir in dieser Nacht auf einem der drei Tunnel Mountain Campgrounds im Osten von Banff. Diese staatlichen Plätze sind ganz gut, sauber und nicht zu laut. Leider waren auch dort die meisten Stellplätze nicht im Wald sondern auf Wiesen und somit komplett einsehbar. Dafür wurden wir aber mit einigen zutraulichen Tieren entschädigt. In der Abenddämmerung stolzierte ein Rentier direkt an unserem Camper vorbei und beim Frühstück konnten wir durch ein Fenster so viele Erdhörnchen beobachten, dass uns das wie Erdhörnchen-TV vorkam.

8. Juli 2007: Banff

Das mit knapp 10.000 Einwohnern recht kleine Städtchen Banff ist das Zentrum des gleichnamigen Nationalparks. Es ist etwas größer als seine Schwesterstadt Jasper und überdies auch versnobter. Im Gegensatz zu Jasper gibt es darüber hinaus aber auch einige hübsche Einkaufsstraßen mit zahlreichen Krimskrams- und Andenkengeschäften, die für jeden Geschmack etwas anbieten. Vor allem jede Art von Souvenirs bekommt man dort. Albrecht20o

Während uns der Stadtkern von Banff besser gefiel als der von Jasper, war es bei der Umgebung genau anders herum. Das muss aber nicht unbedingt an der Natur selber liegen, vielleicht besuchten wir auch die falschen Ziele oder es lag daran, dass wir nach etwa einer Woche tollem Sommerwetter an diesem Tag keinen strahlenden Sonnenschein mehr hatten, dass wir von den Eindrücken der letzten Tage verwöhnt waren oder dass wir eine melancholische Grund-stimmung hatten, weil dies unser letzter Tag in den Rockys war. Wie auch immer, so richtig begeisterte uns die Umgebung von Banff jeden-falls nicht. Unser erstes Ziel waren die Hoodoos, das sind Sandskulpturen unweit unseres Cam-pingplatzes, die im Gegensatz zu dem sie direkt umgebenden Gestein nicht abgetragen wurden und nun wie schroffe kleine Berge aus der Erde ragen. Obwohl die Hoodoos ganz nett waren, sind uns doch die Tiere, die wir dort sahen, nachhaltiger in Erinnerung geblieben. Ganz in der Nähe des Weges tauchte plötzlich eine Rentier-Kuh auf, mehrere kleine Hörnchen wuselten über den Boden, nicht weit weg sahen wir eine Hirsch-Kuh mit ihrem Jungen und durch den Bow River schwamm ein größerer Hirsch oder ein Elch, das war aus der Entfernung nicht genau zu erkennen. Albrecht20uDirekt im Anschluss nahmen wir unsere letzte Wanderung hinauf auf den Tunnel Mountain östlich des Stadtkerns in Angriff. Der gleichnamige Wanderweg ist zwar nicht allzu lang, hat aber eine recht ordentliche Steigung und führt in Serpentinen bis zum Gipfel. Von dort oben hatten wir einen schönen Blick auf das etwa 300 m tiefer gelegene Banff, den Bow River, die Vermillion Lakes, das bekannte Fairmont Banff Springs Hotel mit den dazugehörigen Golfplatz.

Nach dem Abstieg und einen kurzen Stopp bei den Vermillion Lakes nahmen wir Abschied von den Rockys, wir machten uns auf nach Calgary, der letzten Etappe unserer Reise. Auch im Rückblick finden wir es noch erstaunlich, wie wir Flachlandtiroler uns in nur einer Woche so sehr an die Berge gewöhnt hatten, dass sie zu einer Selbstverständlichkeit wurden. Mit jedem Kilometer, den wir näher an Calgary herankamen, wurde das Land flacher und gleichzeitig unser Gefühl, hier falsch zu sein, größer. Als wir dann die Vororte von Calgary erreichten, war unser Gefühlsleben dem eines Schülers, dessen Sommerferien gerade zu Ende gegangen sind, verblüffend ähnlich: So sehr man es sich auch wünscht, etwas sehr Schönes ist unwiederbringlich vorbei.

Für unsere letzte Nacht im Camper hatten wir uns Mountain View Farm Campground nordöstlich von Calgary Downtown ausgesucht. Dieser Platz war für einen privaten Platz zwar ganz passabel, sauber und einfach zu finden. Aber trotzdem steigerte er unseren Kulturschock noch. Die Camper standen dicht an dicht auf einer Wiese, von Bergblick wie uns der Name suggerierte keine Spur und abends gab es ein Barbecue mit volkstümlicher Musik, wovon wir in unserem Camper aber glücklicherweise nicht allzu viel mitbekamen.

9. und 10. Juli 2007: Calgary

Am nächsten Morgen ging es nach Downtown, erst zum Hotel unsere Koffer abstellen und dann weiter zur CanaDream-Niederlassung in einem der nördlichen Vororte. Obwohl es Montag Morgen war, gab es keine langen Staus, wahrscheinlich sorgte auch in Kanada die Ferienzeit für eine deutliche Entspannung auf den Straßen. Die Rückgabe des Campers verlief völlig problemlos und mit der für so viele Kanadier typischen Herzlichkeit. Ein Mitarbeiter von CanaDream inspizierte gründlich den Camper und war mit dem Zustand rundum zufrieden. Im Büro gaben wir die Papiere ab, erhielten die Kaution zurück und mussten noch nicht einmal den Deckel des Abwassertankes des Campers bezahlen, der uns an diesem Morgen kaputt gegangen war. Und weil zu diesem Zeitpunkt gerade ein heftiger Gewitterschauer niederging, fuhr uns auch noch ein CanaDream-Mitarbeiter kostenlos zu einer Bahnhaltestelle, von wo wir ohne umzusteigen direkt nach Downtown fahren konnten. Was für ein Service, wir waren echt begeistert.

Albrecht21Als wir in Downtown ankamen, war es noch viel zu früh zum Einchecken im Hotel. Und da das Wetter auch nicht gerade zum Spazieren gehen einlud, gingen wir ins Stadtmuseum "Fort Calgary". Das Museum war ganz nett, es beschreibt die Entwicklung der Stadt von einem kleinen befestigten Außenposten mitten im Nirgendwo bis zu einer modernen Millionenstadt. Einige Epochen sind mit viel Liebe zum Detail und zum Teil auch zum Anfassen dargestellt. Es ist schon interessant, wie rasant sich Calgary innerhalb von nur 130 Jahren entwickelte.

Während wir im Museum waren, änderte sich das Wetter grundlegend, aus heftigem Gewitter wurde strahlend blauer Himmel. Den Nachmittag und Abend bummelten wir durch Downtown und waren recht angetan, wie sich die vielstöckigen Hochhäuser ineinander spiegelten, auch wenn das für uns bei Weitem nicht mit einem glitzernden Bergsee mithalten konnte. Abends aßen wir im "Shakers", einem urigen und sehr leckeren Restaurant im südlichen Downtown mit kanadisch/amerikanischer Küche.

Unser Hotel in Calgary, das "Delta Bow", war richtig gut. Unser Zimmer war groß und sauber, hatte einen tollen Ausblick auf Downtown und ein komfortables Bad mit Badewanne, das Personal war sehr zuvorkommend und das Frühstücksbuffet unheimlich üppig und lecker. Nach zwei Wochen im Camper wirkt vermutlich jedes Hotel mehr oder weniger luxuriös, aber das "Delta Bow" würden wir jederzeit noch einmal buchen.

Unser letzter Urlaubstag stand ganz im Zeichen der Calgary Stampede. Dieses zehntägige Spektakel, das jedes Jahr imAlbrecht22 Juli stattfindet, ist der ganze Stolz von Calgary. Hervorgegangen aus einem mehrteiligen Rodeo-Wettkampf im Jahre 1912 ist die Stampede heute ein großes Volksfest, des jedes Jahr mehr als eine Millionen Besucher anlockt. Das Zentrum der Stampede ist der Stampede Park südöstlich von Downtown. Dort finden in mehreren großen Hallen die Rodeo-Disziplinen statt. Zusätzlich gibt es einen Jahrmarkt, der uns sehr an Pützchens Markt oder die Anna-Kirmes erinnerte, ein Indianerdorf zum Anfassen sowie eine große Messehalle mit allen denkbaren und undenkbaren Ausstellern, in der wir uns stundenlang hätten aufhalten können. Aber auch außerhalb des Parks war alles fest in Stampede-Hand. Nahezu alle Geschäfte waren im Cowboy-Look dekoriert, in den Straßen gab es jede Menge Fressbuden, wie an Karneval marschierten verschiedene Gruppen durch die Stadt und fast jeder in Calgary trug zumindest einen Cowboy-Hut. Die Stampede war für uns ein schöner Urlaubsabschluss, manchmal etwas verwirrend und chaotisch, aber wie die Kanadier auch sympathisch, freundlich und unaufdringlich.

Aus dem Fehler bei unserer Ankunft hatten wir gelernt und sind am Nachmittag für etwa 40 CAN$ mit dem Taxi zum Flughafen gefahren. Am frühen Abend saßen wir dann im Flugzeug und waren auf dem Weg zurück nach Deutschland.

Nachtrag:

Eigentlich sollte mit dem Abflug von Calgary auch der Reisebericht zu Ende sein. Aber kurz nach unserer Ankunft am Frankfurter Flughafen ereignete sich dort eine Episode, die so gut beschreibt, was wir an den Kanadiern lieben gelernt haben, dass wir sie hier noch erwähnen möchten.

Für die Fahrt von Frankfurt nach Siegburg wollten wir den ICE nehmen und um genügend Zeit für verschiedene Eventualitäten zu haben, hatten wir vor unserem Urlaub Tickets für einen Zug gekauft, der erst knapp zwei Stunden nach der planmäßigen Landung unseres Flugzeuges abfuhr. Da aber alles viel schneller ging als befürchtet, waren wir so früh in der Bahnhofshalle, dass wir auch einen Zug früher hätten nehmen können. Wir wussten aber nicht, ob das mit unseren Tickets möglich war und fragten dies beim Info-Schalter der Deutschen Bahn nach. Der Dame hinter dem Schalter stand imaginär in großen Buchstaben "Ich habe keine Lust auf eure blöden Fragen" auf der Stirn und genauso verhielt sie sich auch. Als erste Reaktion lehnte sie sich gelangweilt ein Stück nach vorne und fragte zurück: "Hamm ´se ´nen Sparticket?". Auf unsere Antwort, dass wir das nicht wüssten, streckte sie leicht genervt ihren Arm aus und meinte: "Geben ´se mal her!" Mürrisch dreinblickend betrachtete sie die Tickets von allen Seiten, wohl in der Hoffnung, irgendein Problem zu finden. Sie fand aber keins und entgegnete ob dieser Tatsache noch mürrischer: "Könn ´se machen, wenn ´se noch ´n Platz finden. Aber die Reservierung könn ´se vergessen!" Die Frage nach dem Weg zum richtigen Bahnsteig verkniffen wir uns. Und spätestens beim Einsteigen in den ICE nach Siegburg war uns klar: Kanada, wir kommen wieder!