Von Vancouver nach Calgary in 20 Tagen –
Ein Reisebericht von Marc und Nicole
Ein bisschen was vorab:
Im Juni/Juli 2007 verbrachten wir einen fantastischen Urlaub in Westkanada. In den insgesamt 20 Tagen erlebten und sahen wir dabei so viele unvergessliche Dinge, dass es eigentlich für drei Urlaube reicht. Die Erlebnisse unserer Reise haben wir aus zwei Gründen als kleinen Reisebericht aufgeschrieben: Zum einem, um diejenigen, die mit Westkanada (noch) nicht viel anfangen können, für dieses traumhafte Land zu begeistern und zum anderen, um denjenigen, die einen Urlaub dort planen, mit unseren Erfahrungen weiter zu helfen und ihnen Tipps geben zu können. Dabei haben wir auch Sachen hineingeschrieben, die auf den ersten Blick vielleicht nur als unbedeutende Fußnote erscheinen, in unseren Augen aber durchaus wichtig sein können und nicht in jedem Reiseführer stehen. Apropos Reiseführer: Wir haben sehr gute Erfahrungen mit dem Buch "Kanada der ganze Westen mit Alaska" aus der "Reise Know-How"-Reihe gemacht. Es wurde von und für Leute geschrieben, die Kanada auf eigene Faust erkunden wollen und beschäftigt sich neben den Sehenswürdigkeiten auch sehr detailliert mit Fragen zur Reisevorbereitung, Dingen des täglichen Lebens und möglichen Reiserouten.
Wir hoffen, dass euch unser Reisebericht gefällt und er den einen oder anderen Tipp enthält. Und natürlich, dass er euch auf den "Kanada-Geschmack" bringt. Allen, die das Glück haben, demnächst durch Westkanada zu reisen, wünschen wir eine ganz tolle Zeit und einen ebenso unvergesslichen Urlaub wie wir ihn hatten. Grüßt Land und Leute von uns.
22. Juni 2007: Abflug und Ankunft in Vancouver
Der Hinflug nach Vancouver ging nonstop von Düsseldorf aus. Da wir weder unser Auto für knapp drei Wochen am Flughafen stehen lassen noch mit mehreren Koffern Bus und Bahn fahren wollten und uns leider auch keiner zum Flughafen fahren konnte, hatten wir uns dazu entschlossen, den Großteil unseres Gepäcks bereits am Vorabend unserer Reise aufzugeben. Dieser "Late Night Check In" hat bestens funktioniert. Morgens am Abreisetag fuhren wir dann recht entspannt mit unserem Handgepäck und öffentlichen Verkehrmitteln zum Flughafen. Der Flug selbst dauerte etwa neun Stunden, ging über Island, Grönland und Nordkanada und war Dank Fensterplatz und zumeist wolkenlosem Himmel recht kurzweilig. Am frühen Nachmittag Ortszeit landeten wir in Vancouver.
Unser Hotel, das Empire Landmark, war leider ziemlich mäßig. Das Personal war zwar sehr freundlich und die Aussicht vom Restaurant im 42. Stock durchaus beeindruckend, die sehr eingeschränkte Frühstücks-Auswahl und die etwas heruntergekommene Zimmerausstattung wie Wasserflecken am Lampenschirm und etwas klapprige Schränke haben uns aber schon gestört.
23. und 24. Juni 2007: Vancouver
In den vielen Reiseführern und Büchern, die wir vor unserem Urlaub gelesen hatten, wurde Vancouver überall als eine der schönsten Städte der Welt beschrieben. Nach knapp drei Tagen Aufenthalt haben wir aber eine andere Meinung von Vancouver. Zugegeben, die Lage der Stadt mit dem Pazifik im Westen und den Coast Mountains im Norden ist
Bereits in diesen ersten Urlaubstagen merkten wir, wie aufgeschmissen man in Kanada und wahrscheinlich auch in ganz Nordamerika ohne Kreditkarte ist. Wir hatten zwar eine dabei, zahlten aber in vermutlich typisch euro-päischer Manier zu Beginn unseres Urlaubs immer in bar. Als wir eines abends kaum noch Bargeld hatten, machten wir uns auf die Suche nach einem Geldautomaten. Aus Unsicherheit, was es an Sondergebühren kosten würde, wenn wir mit der Kreditkarte Geld ziehen würden, versuchten wir unser Glück mit der normalen EC-Karte, mussten aber feststellen, dass es im Zentrum einer Millionenstadt wie Vancouver keine einzige Bank gab, bei der das möglich war. Nach längerem Suchen fanden wir an diesem Abend zwar einige kleine Krimskrams-Läden, in denen ein mit EC-Karten nutzbarer Geldautomat (sogenannte ATM´s) steht, aber der abhebbare Betrag war auf wenige hundert Dollar begrenzt. Und da man außerdem an den Besitzer des Ladens, in dem der ATM steht, bei jedem Abheben eine Gebühr von etwa 2 bis 3 CAN$ zahlen muss, gewöhnten wir uns schnell an die Gepflogenheiten und erledigten Vieles mit der Kreditkarte. Es ist einfach bequemer, wird praktisch überall akzeptiert und ist in manchen Fällen, wie z.B. bei Reservierungen, alternativlos.
Als wir unsere Reise einige Monate vorher buchen wollten, war unser Plan, am Montag, den 25. Juni den Camper zu übernehmen und gleich loszufahren. Doch leider waren alle in Frage kommenden Camper für diesen Tag bereits vergeben. Wir hatten daher umgeplant und uns den Camper ab den 23. Juni reserviert. Am diesem Vormittag mussten wir also zur Regionalstation von CanaDream in einem südlichen Vorort von Vancouver gelangen. Auf telefonische Nachfrage bei CanaDream erfuhren wir, dass es einen Shuttle-Service von Flughafen aus gab und dass ein Fahrer auf uns am Ausgang des Flughafengebäudes warten würde. Mit dem Linienbus fuhren wir dorthin und warteten. Aber es kam niemand. Als wir daraufhin nochmals bei CanaDream anriefen, klärte sich das Problem: Wir standen am falschen Gebäude, nicht am Ausgang des internationalen sondern des nationalen Flughafen mussten wir warten. Schnell wechselten wir das Gebäude und dort trafen wir auch den Fahrer, der uns zu CanaDream fuhr. Die Übernahme des Campers war trotz der Formalitäten angenehm und problemlos und die anschließende Einweisung in die Benutzung und das Fahren des Campers ließ keine Fragen offen.
Bis zum Beginn unserer Reise zwei Tage später stellten wir den Camper auf dem Capilano RV Park, dem von Vancouver Downtown aus nächstgelegenen Campingplatz, ab. Wenn wir vorher gewusst hätten, wie wenig uns Vancouver gefällt und wie kostbar jeder Tag war, an dem wir den Camper hatten, hätten wir ihn nur einen Tag geparkt. Und obendrein hätten wir auch noch etwa 30 CAN$ gespart.
25. Juni 2007: Auf nach Vancouver Island
Nach knapp drei Tagen Vancouver freuten wir uns auf unseren Camper und die Reise durch den kanadischen Westen. Diese Art zu Reisen ist in unseren Augen die Beste, um Kanada und seine atemberaubende Natur zu erleben. Viele Regionen, vor allem die Nationalparks, sind mit öffentlichen Verkehrmitteln nicht zu erreichen. Mit einem Camper ist man sehr flexibel, reist je nach Ausstattung durchaus komfortabel und hat jederzeit ein festes Dach über dem Kopf. Wie wir selber erfahren haben, können Wetter- und Temperaturwechsel gerade in den Rockys auch im Sommer ganz plötzlich auftreten und wer dann nur mit einem Zelt unterwegs ist, der steht schnell im Regen. Der größte Nachteil am Camper war für uns der sehr begrenzte Platz und die praktisch nicht vorhandene Möglichkeit, mal für sich zu sein. Dies sollte man sich vor der Buchung auf jeden Fall klar machen und auch nur mit solchen Leuten zusammen in einem Camper fahren, mit denen man sich (sehr) gut versteht, ansonsten kann das sehr nervenaufreibend werden.
Obwohl wir zuvor weder ein Fahrzeug dieser Größe noch einen Automatik-Wagen gesteuert haben, hatten wir mit dem Camper-Fahren überhaupt kein Problem. Die kanadischen Straßen sind fast überall sehr breit und meist in gutem Zustand und nach kurzer Zeit der Eingewöhnung fühlten wir uns vollkommen sicher. Das galt auch für die Fahrten durch Vancouver bzw. Calgary Downtown und die manchmal etwas kurvigen Nebenstraßen. Man sollte sich aber vor allem beim Parken, beim Abbiegen, beim Rückwärts fahren und beim Bergab fahren immer die Ausmaße bzw. das Gewicht des Campers vor Augen halten. Und in weniger dicht besiedelten Regionen tut gut daran, wer zu jeder Zeit den hohe Spritverbrauch berücksichtigt. Unser Camper beispielsweise verbrauchte etwa 30 Liter Benzin auf 100 km.
Die erste Fahrt ging zum Fährhafen Tsawwassen südlich von Vancouver, von wo aus wir nach Schwartz Bay auf Vancouver Island übersetzten. Auch wenn pro Tag mehr als ein Dutzend Fähren diese Strecke zurücklegen, kann es gerade zu den Hauptreisezeiten am Vor- und am Nachmittag zu länge-ren Wartezeiten kommen. Es empfiehlt sich da-her entweder Geduld mitzubringen oder auf an-dere Zeiten am Tag auszuweichen.
Mit dem Verlassen von Vancouver verließen wir auch das schlechte Wetter, dass wir, von kleinen Unterbrechungen abgesehen, seit der Ankunft hatten. Bei strahlendem Sonnenschein war die etwa 90-minütige Fährüberfahrt vorbei an vielen kleinen Inseln wirklich ein Erlebnis.
Noch unerfahren mit dem Auffinden und den Gepflogenheiten der Campingplätze entschlossen wir uns, auf Vancouver Island als Erstes eine Unterkunft für die Nacht zu suchen. In Kanada besteht zwar grundsätzlich außerhalb der Nationalparks die Möglichkeit des Campierens am Straßenrand oder auf einem Feldweg, wir entschieden uns aber an diesem wie auch an jedem Reisetag dagegen. Zu Anfang waren wir unsicher, wo genau wir Wild-Campieren konnten und wo nicht und nach ein paar Tagen wollten wir die Vorzüge eines Campingplatzes nicht mehr missen. Auch die kleinsten bieten die Möglichkeit, den Frischwassertank wieder aufzufüllen und haben zumeist auch eine Stelle, wo der Abwassertank geleert werden kann. Außerdem bieten sie Kontaktmöglichkeiten zu Gleichgesinnten oder Einheimischen, wodurch wir einige interessante Infos über lohnende Reiseziele, die besten Wege dorthin oder einfach nur über die Gegend erhielten.
In Kanada gibt es zwei Arten von Campingplätzen, die privaten und die staatlichen, wobei wir, wann immer es ging, den staatlichen den Vorzug gaben. Sie sind wesentlich billiger, liegen oft sehr idyllisch und sind viel ruhiger und anonymer. Bis zum Nachbarn sind es meist einige Meter, so dass man sich gut aus dem Weg gehen kann. Im Gegensatz zu den privaten gibt es auf den staatlichen Plätzen aber keinen Stromanschluss. Von diesem Vorzug abgesehen reizte uns an den privaten Plätzen nichts, im Gegenteil. Üblicherweise stehen auf diesen Plätzen die Camper direkt nebeneinander, mit Privatsphäre ist da nicht viel. Außerdem erinnerte uns die Aufmachung gar nicht selten stark an Club-Urlaub, Animation und Heimatabend inklusive. Und genau so einen Urlaub wollten wir eben nicht machen, deswegen sind wir ja durch die kanadische Natur gefahren.
Was die Möglichkeit der Reservierung eines Stellplatzes auf Campingplätzen angeht, so hatten wir vor und auch zu Beginn unseres Urlaubs alle nur denkbaren Infos erhalten. Wir machten aber die Erfahrungtz muss man eine bestimmte Telefonnummer wählen, die einen erst mit einem Sprachcomputer und dann mit einer Hotline verbindet) oder mit Einschränkungen verbunden (meist steht für die Reservierung nur ein bestimmtes Kontingent an Plätzen zur Verfügung, üblicherweise muss man seine Reservierung einige Tage vorher durchgeben und ohne eine Kreditkarte geht eigentlich gar nichts), aber gerade wer wie wir in die Touristenhochburgen wie die Nationalparks Jasper oder Banff möchte, wer einen recht engen Zeitplan für seine Camperreise hat, wer an einem bestimmten Tag Strom haben möchte oder wer sich einfach nur unnötigen Stress mit der Campingplatzsuche ersparen will, dem empfehlen wir die Reservierung mit Nachdruck. Damit die Reservierungen unsere Flexibilität nicht zu sehr einschränken, beschränkten wir uns dabei auf bestimmte Tage und fuhren damit sehr gut.
Unsere erste Nacht im Camper verbrachten wir auf McDonald Campground. Dieser kleine, staatliche Platz etwa 3 Kilometer südlich von Swartz Bay ist idyllisch, er liegt mitten in einem kleinen Wäldchen.
26. Juni 2007: Victoria
Jeder, der wie wir mit den typisch nordamerikanischen Städten nicht viel anfangen kann aber auch nicht nur Natur sehen möchte, dem empfehlen wir einen Abstecher nach Victoria. Die Stadt wurde vor etwa 160 Jahren gegründet und ist damit die älteste Stadt in Westkanada. Dies und die Tatsache, dass Victoria im Gegensatz zu Vancouver oder
Klimatisch liegt Victoria klar auf der Sonnenseite. Laut Statistik gibt es in weitem Umkreis keine Stadt, die mehr Sonnenstunden, höhere Temperaturen und weniger Niederschläge hat als Victoria. Wir können das nur bestätigen, auch bei unserem Besuch war es sonnig und warm.
Nach einem ausgiebigen Stadtbummel mit geliehenem Audio-Guide aus dem Touristenbüro am HafenIm Anschluss verließen wir Victoria und folgten dem Trans Canada Highway nach Norden. Bei Parksville zweigt der Highway 4 nach Westen ab und nach wenigen Kilometern gibt es eine Ausfahrt zum Englishman Campground, wo wir die Nacht verbrachten. Am Rand dieses staatlichen Campingplatzes beginnt ein schmaler Wanderweg durch den wildromantischen Englishman River Falls Provincial Park, der auch zu den Wasserfällen führt, die dem Park seinen Namen gegeben haben.
27. Juni 2007: MacMillan Provincial Park
Als wir am nächsten Morgen die schmale Verbindungsstrasse zwischen dem Campingplatz und dem Highway 4 entlang fuhren, sahen wir in einiger Entfernung am Waldrand plötzlich ein sich plump bewegendes dunkelbraunes Etwas, das bald im Wald verschwand. Auch wenn uns nicht sicher waren, so verbuchen wir das dennoch unter "Bär gesehen".
Es ist bestimmt das Schicksal eines jeden Westkanada-Camper-Urlaubers, dass er völlig unabhängig von der Zeit, die er insgesamt zur Verfügung hat, irgendwann vor dem Problem steht, nicht alles sehen zu können, was er sich eigentlich vorgenommen hat. Uns ereilte diese Erkenntnis an diesem Morgen. Eigentlich wollten wir den Highway 4 mindestens bis Port Alberni fahren und unterwegs bei zwei oder drei der schönsten Provincial Parks anhalten. Da das aber auf Kosten unserer Aufenthaltszeit in den Rocky Mountains gegangen wäre (für die wir völlig richtiger Weise eine ganze Woche eingeplant hatten), entschieden wir uns schweren Herzens dagegen und machten nur einen Stopp im MacMillan Provincial Park.Der nicht allzu große Park beinhaltet ein kleines Waldgebiet mit mehreren Jahrhunderte altenAm Nachmittag nahmen wir die Fähre in Nanaimo nach Horseshoe Bay nördlich von Vancouver. Die anschlie-ßende Fahrt über den Highway 99 in Richtung Norden sollte eigentlich ein entspanntes Küsten-Sightseeing in der Abenddämmerung werden. Daraus wurde aber leider nichts. Der größte Teil des Highway-Abschnittes von Vancouver bis Whistler wird aufgrund der olympischen Winterspiele in Vancouver im Februar 2010 noch bis zum Spätsommer 2009 verbreitert und man muss sich gerade bei einsetzender Dämmerung voll auf die aufgrund der Sprengungen des Berghanges teilweise recht verwirrende Verkehrsführung konzentrieren, von den Bodenwellen, Schotterflächen und dem Gegenverkehr mal ganz zu schweigen.
Da es schon fast dunkel war, entschieden wir uns, nicht mehr lange nach einem Campingplatz zu suchen und steuerten den Nächstgelegenen an. Dies war Dryden Creek Resorts, ein privater Campingplatz. Unser Stellplatz lag leider direkt vor den Waschräumen, so dass wir uns ein wenig wie Zootiere fühlten und die Anonymität und Weitläufigkeit der bisherigen Plätze zurück wünschten. Aber wenigstens hatten wir Strom, den es bei den staatlichen Plätzen ja nicht gibt. Im Vergleich mit den anderen privaten Plätzen, die wir in unserem Urlaub ansteuerten, war Dryden Creek aber gar nicht so schlecht. Die Stellplätze waren von einer kleinen Wiese umgeben und lagen auch nicht direkt nebeneinander, außerdem war es relativ ruhig.
28. Juni 2007: Coast-Mountains
Weiter ging es über den Highway 99 nach Norden. Die Region um den Ort ist ein sehr bekanntes Skigebiet, hier werden die alpinen Skiwettbewerbe der olympischen Winterspiele 2010 stattfinden. Direkt am Highway liegt Whistler, das kleine, aber ziemlich mondäne Zentrum der Skiregion, das sich selber als "St. Moritz Kanadas" bezeichnet.
Nördlich von Whistler, so etwa zwischen Pemberton und Lillooet, ändert sich die Landschaft und mit ihr auch das Autofahren völlig. Die Gegend wird zunehmend schroffer und die Strasse enger, kurviger und steiler. Die ersten Kilometer bis zum Joffre Lakes Provincial Park sind steil und es geht nur langsam voran, aber dafür entschädigt der Provincial Park jeden, der den Weg auf sich nimmt. Auf dem Parklatz des Parks konnten wir ein kleines Hörnchen beobachten, wie es nur weniger Meter von uns entfernt in aller Seelenruhe Blüten und Nüsschen futterte. Durch den Park gibt es einen tollen Wanderweg, der bergan durch wildromantische Natur an insgesamt drei Seen (Lower, Middle und Upper Joffre Lake) vorbei führt. Man benötigt aber auf jeden Fall Wanderschuhe und wer bis ganz nach oben will, sollte neben viel Zeit auch warme Kleidung mitnehmen. Selbst im Sommer kann es recht frisch werden und vereinzelte Schneeflächen sind keine Seltenheit.
In der Nähe des Joffre Lakes Provincial Parks ist der Pass auf knapp 1300 Metern Höhe erreicht und von da an geht es bergab. Das sollte man langsam angehen lassen, bis Lillooet gibt es viele Engstellen, scharfe Kurven und Brücken. Das Einzige, was in Lillooet einen Besuch wert sein soll, ist die Bäckerei eines ausgewanderten Deutschen, in der es richtiges Brot geben soll. Wir kamen aber leider erst nach Ladenschluss gegen halb sechs dort an, die Wanderung im Joffre Lakes Park dauerte länger als geplant.
Der letzte Abschnitt des Highway 99 hinter Lillooet ist wieder breiter, recht eben und nicht sonderlich aufregend, man erreicht schnell den querverlaufenden Highway 97. An dieser Stelle mussten wir eine grundsätzliche Entscheidung treffen. Unser nächstes großes Ziel, der Mount Robson Provincial Park, ist über zwei Varianten erreichbar: Der längere Weg führt auf dem Cariboo Highway über Williams Lake und Quesnel nach Prince George und weiter über den Yellowhead Highway nach Téte Jaune Cache, der kürzere über den Highway 1 (Trans Canada Highway) nach Kamloops und weiter über Highway 5 und Clearwater. Für den kürzeren Weg spricht der Zeitgewinn von etwa einem Tag sowie der laut Reiseführer sehr schöne Wells Gray Provincial Park, für den längeren die Möglichkeit, die alte Goldgräberstadt Barkerville zu sehen. Und diese Möglichkeit gab für uns den Ausschlag.
29. Juni 2007: Cariboo Highway
Dieser Tag stand unter der großen Überschrift "Fahren". Zunächst ging es viele Meilen auf den Cariboo Highway in nördlicher Richtung dahin. In der Goldgräberzeit, die vor etwa 150 Jahren begann, war dies die wichtigste Nord-Süd-Verbindung, die von tausenden von hoffnungsvollen Goldsuchern benutzt wurde. Damals entstanden viele Ansiedlungen und Versorgungsstationen (einige haben nur eine Meilenangabe als Namen; diese Angabe steht für die Entfernung nach Lillooet, damals eine bedeutende Stadt und eine der größten nördlich von San Francisco), in denen für einige Jahrzehnte das Leben brummte. Mit dem
Am Nachmittag erreichten wir die Kleinstadt Quesnel, wo wir uns ein wenig die Beine vertraten. Mal abgesehen von einer sehr guten Touristeninformation, wo es neben vielen Broschüren und einem kostenlosen Internet-Anschluss auch sehr hilfsbereite Mitarbeiter mit viel Wissen von der Gegend gibt, ist in Quesnel aber kaum etwas von Interesse. Nach kurzer Zeit saßen wir wieder im Camper, diesmal dem Highway 26 Richtung Osten folgend. Rund 75 Kilometern später kamen wir am Barkerville Provincial Park Campground an, einem mittelgroßen, staatlichen Campingplatz knapp 10 Kilometer vor dem Museumsdorf Barkerville. Der Platz war ganz in Ordnung, durchschnittlicher Standard.
30. Juni 2007: Barkerville
Der Abenteurer Billy Barker fand dort, wo noch heute die nach ihm benannte Stadt liegt, Anfang der 1860er Jahre eine Goldader. Innerhalb kürzester Zeit sprach sich dies herum und Zehntausende kamen um ihr Glück zu machen. Barkerville platze bald aus allen Nähten und war für kurze Zeit die größte Stadt in ganz Westkanada. Aber auch hier ging es mit dem Versiegen des Goldes rasch bergab und Barkerville wäre vermutlich in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, wenn aus der Stadt nicht ein Freilichtmuseum mit viel Charme geworden wäre. Authentizität spielt in Barkerville eine ganz große Rolle. Es stehen zwar nicht mehr alle Gebäude von damals, aber diejenigen, die noch da sind, stehen an originaler Stelle und sind bemerkens-wert gut erhalten. Vor allem aber ist es das Konzept "Living history", was die Stadt heute ausmacht. Schauspieler schlüpfen in die Rollen von verschiedenen Bewohnern der damaligen Zeit, sind entsprechend gekleidet und verhalten sich auch originalgetreu. Wir bekamen das Leben in der Goldrauschzeit
dadurch unmittelbar gezeigt. In der Schule nahmen wir an einer Unterrichtsstunde teil (wobei vor allem das Sozialverhalten für uns auf dem Stundenplan stand) und an einem kleinen Fluss bekamen wir erklärt, wie man früher nach Gold gesucht hat. Darüber hinaus gibt es auch Andachten in der Kirche, Shows und Aufführungen im Theater, Ein-führungen ins Goldwaschen und vieles mehr. Dies in Kombination mit den Gebäuden, die fast alle begehbar und entweder als Museum oder Geschäfte der damaligen Zeit konzipiert sind, macht den Aufenthalt in Barkerville so kurzweilig und interessant und ist auch für Kinder eine spannende Sache. Wir genossen den Aufenthalt dort sehr und bereuten den Umweg im Vergleich zur Route über Kamloops und Clearwater zu keiner Zeit.
Erwähnen möchten wir noch, dass man in Barkerville auf jeden Fall feste Schuhe tragen sollte. Gar nicht selten gibt es dort auch im Sommer heftige Regenschauer, die die nicht asphaltierten Wege in Schlammpisten verwandeln, wie wir aus eigener Erfahrung berichten können.
Den Nachmittag verbrachten wir wieder unterwegs im Camper, über Quesnel und Hixon fuhren wir nach Prince George, dem nördlichsten Punkt unserer Reise, wo wir auf dem Hartway RV Park die Nacht verbrachten. Von allen privaten Plätzen hat uns dieser am besten gefallen, unser Stellplatz war von ein paar Bäumen umgeben, sauber und ruhig und das zu einem sehr anständigen Preis.
1. Juli 2007: Mount Robson Provincial Park
Prince George hat zwar etwa 70.000 Einwohner, aber trotz dieser Größe, die in weitem Umkreis keine andere Stadt erreicht, gibt es erstaunlich wenig zu sehen. Sie eignet sich aber aufgrund der zahlreichen Lebensmittelläden und anderen Geschäfte hervorragend zum Auffüllen der Camper-Vorräte, was auch an Sonn- und Feiertagen problemlos möglich ist. In Richtung Norden und Westen gibt es zunehmend seltener größere Siedlungen und von Anchorage im fernen Alaska mal abgesehen gibt es nichts, was auch nur annähernd an die Größe von Prince George herankommt. Aber auch wer wie wir in Richtung Osten zu den großen Nationalparks weiterfahren will, sollte sich in Prince George noch mal so richtig eindecken. In den Parks gibt es zwar Einkaufsmöglichkeiten, das Warenangebot ist dort aber sehr überschaubar und die Preise sind selbst für kanadische Verhältnisse recht hoch.
Die Fahrt auf dem Yellowhead Highway von Prince George nach Téte Jaune Cache war aufgrund des guten Ausbaus zwar sehr entspannt aber auch recht langweilig. Das beste war noch, dass die Rocky Mountains immer näher kommen, wer aber vorhat, den Icefields Parkway entlang zu fahren, sollte sich auf dem Yellowhead Highway nicht lange aufhalten und auch vermeintlich schöne Aussichten auf die Rockys ignorieren – der Parkway schlägt sie alle und das um Längen.Abends auf dem Mount Robson Provincial Park Campground, der sehr schön mitten im Wald liegt, versuchten wir zum ersten Mal, auf dem typischen Feuerstellen der staatlichen Campingplätze zu grillen. Fest entschlossen, ein Feuer zu machen, legten wir los, aber das Einzige, was wir lange Zeit schafften, war die Anzahl der Mücken in unserer Nähe deutlich zu erhöhen. Unsere kläglichen Versuche musste unser Nachbar mitbekommen haben, der uns nicht nur erklärte, wie es geht, sondern uns auch noch einen großen Teil seines gesammelten Reisigs schenkte. Mit seinen Tipps und seinen Hölzchen ging es daraufhin wie geschmiert. Die Steaks, die nach kurzer Zeit fertig waren, waren die leckersten Steaks, die wir seit langem gegessen haben. Vollkommen satt und glücklich darüber, es geschafft zu haben, aber auch ziemlich zerstochen gingen wir an diesem Abend ins Bett.
2. und 3. Juli 2007: Jasper National Park
Direkt an Mount Robson Provincial Park schließt sich Jasper National Park an. Mit der Einfahrt in den Nationalpark betraten wir die Provinz Alberta. Jeder, der Jasper National Park betritt (Gleiches gilt auch für Banff NP, Yoho NP und Kootenay NP), muss Eintritt zahlen. Abgerechnet wird tageweise, wobei die gesamte Aufenthaltsdauer in allen vier Nationalparks zugrunde gelegt wird und bezahlt wird im Voraus. Wer sich während seines Aufenthalts dazu entschließt, länger aus ursprünglich geplant zu bleiben, zahlt bei der Ausfahrt nach.
Dieser Eintritt sollte aber niemanden von einem möglichst langen Besuch der Nationalparks abhalten. Für insgesamt sieben Tage zahlten wir für uns und unseren Camper etwa 120 CAN$, was im Vergleich zu den anderen Urlaubsausgaben ein Klacks ist. Dafür bekamen wir eine atemberaubende, faszinierende und unfassbar schöne Landschaft zu sehen, die es in dieser Größe nur schwerlich noch einmal auf dieser Welt gibt. Wir sind immer schon "Landschafts-Urlauber" gewesen und haben die Erfahrung gemacht, dass man für einen traumhaften Blick auf ein bestimmtes Stück Natur oftmals einen ganz bestimmten Punkt aufsuchen muss, andernfalls ist es bestenfalls noch ganz nett. In den Nationalparks der kanadischen Rocky Mountains aber konnten wir uns für ein grandioses Panorama eigentlich fast überall hinstellen. Wir hatten ganz oft das Gefühl, von Realität gewordenen Postkarten umgeben zu sein und spätestens beim Besuch vieler "echter Sehenswürdigkeiten" wollten wir am liebsten die Zeit anhalten um länger bleiben zu können. In den Nationalparks gibt es übrigens zumeist keinen Handyempfang– was aber nicht schlecht sein muss.Auch die Nacht auf Pocahontas Campground war leider von Mücken geprägt. Auf den ersten Blick machte dieser staatliche Platz eigentlich einen guten Eindruck, nicht zu groß, ruhig und verwinkelt im Wald. Aber sobald es zu dämmern begann, kamen Hunderte von Mücken hervor und belagerten unseren Camper. Egal, zu welchem Fenster wir hinaussahen, auf jeder Scheibe saß mindestens ein Dutzend dieser nervigen Viecher und ein Vielfaches davon flog hin- und her. Irgendwo an unserem Camper musste es eine Verbindung nach draußen gegeben haben und durch diese kamen dann abends und nachts die Mücken rein, morgens sahen wir entsprechend aus. Diejenigen Campingplatz-Besucher, die im Zelt übernachteten, waren vermutlich noch schlimmer dran, die hätten sich im Spiegel wohl nicht mehr wiedererkannt. Wir wissen nicht, ob Pocahontas immer eine derartige Mückenhochburg ist, warnen aber ausdrücklich jeden davor, dort zu übernachten.
Am nächsten Morgen, als wir den Yellowhead Highway in Richtung Jasper zurückfuhren, erlebten wir zum ersten Mal ein ganz typisches Phänomen der Nationalparks, das sich in den folgenden Tagen noch oft abgespielt hat. Der Straßenverkehr in den Nationalparks ist verglichen mit den deutschen Verhältnissen selbst in den Sommermonaten ziemlich gering. Meist begegneten wir kaum einem Fahrzeug, nur ab und zu kam uns etwas entgegen, es überholte uns ein sportlich fahrenden Kanadier (durchaus auch ein anderer Camper oder ein Truck) oder es stand ein Fahrzeug am Straßenrand. Immer wieder kam es jedoch vor, dass plötzlich eine ganze Gruppe von Fahrzeugen ganz langsam fuhr, so dass sich ein kleiner Stau bildete oder dass am Straßenrand außerhalb von offiziellen Parkmöglichkeiten ein halbes Dutzend PKW bzw. Camper stand. So etwas ist ein untrügliches Zeichen, dass irgendwo ganz in der Nähe wilde Tiere zu sehen sind. Auch wenn man nicht vorhat, auf Foto-Safari zu gehen oder wenigstens nach den Tieren Ausschau zu halten, empfiehlt es sich dennoch, sehr langsam an diesen Fahrzeugen vorbei zu fahren, da man jederzeit damit rechnen muss, dass entweder die Tiere oder kopflose Touristen auf die Fahrbahn laufen.Dieses Vorgehen sollte man aber ganz schnell vergessen, wenn es sich um einen Bären handelt. Langsam Vorbeifahren und Fotografieren aus dem fahrenden Auto ist in Ordnung, anhalten oder sogar aussteigen hingegen strengstens verboten. Dies hat nicht nur mit Selbstschutz sondern auch mit Tierschutz zu tun. Solange sich der Straßenverkehr bewegt, ist er für Bären uninteressant, stehende Fahrzeuge oder Fußgänger aber können sie neugierig machen. Sie können sich dadurch an den Menschen gewöhnen und dringen dann auch in Siedlungen oder auf Campingplätze ein, wobei sie in der Regel erschossen werden. Im Interesse der Bären sollte man ihnen also keine Gelegenheit der Annäherung an den Menschen geben.
Als wir uns am Nachmittag der Einfahrt von Whistlers Campground näherten, waren wir richtig froh, dass wir einige Tage vorher einen Stellplatz reserviert hatten. Dieser Platz ist der größte und der beliebteste im Jasper Nationalpark und dementsprechend geht es dort zu wie im Taubenschlag. Vor dem Kassenhäuschen gab es eine lange Camper-Schlange und unter ihnen waren auch einige, die nach langem Warten in der Schlange und einem kurzen Gespräch mit einem Mitarbeiter im Kassenhäuschen umdrehten und Richtung Jasper fuhren. Als wir an der Reihe waren und nachfragten, erfuhren wir, dass der Platz komplett ausgebucht war. Diejenigen, die zurückfuhren, hatten keine Reservierung. Der Platz selbst war übrigens recht gut und in der Nacht auch relativ ruhig.
4. Juli 2007: Icefields Parkway – nördlicher Teil
Der Icefields Parkway ist ein gut 200 km langer, gut ausgebauter Highway, der südlich von Jasper beginnt und kurz vor Lake Louise auf den Trans Canada Highway trifft. Wir finden, dass er zurecht als eine der schönsten Straßen der Welt bezeichnet wird. Bei Sonnenschein und klarem Wetter, was wir glücklicherweise hatten, jagt ein Landschafts-Highlight das nächste und wir kamen aus dem Staunen teilweise nicht mehr heraus. Aufgrund dieser enormen Dichte an landschaftlichen Sehenswürdigkeiten sollte raten wir jedem, für den Parkway etwa drei Tage einplanen. Nach unserer Abfahrt von Whistlers Campground folgten wir auf den ersten etwa 50 Kilometern des Parkways dem Lauf des Athabasca River. Immer wieder gibt es schöne Ausblicke auf und über den Fluss, der eine ganz typische türkis-blaue Farbe hat. Sie geht auf Mineralien und Sedimente im Wasser zurück, die Teile des Sonnen-lichtes reflektieren. Ganz besonders beein-druckend ist dieses Farbenspiel bei einigen Seen, die westlich der südlichen Hälfte des Parkways liegen, der zum Banff Nationalpark gehört.
Ein erster Höhepunkt des Parkways waren die Athabasca Falls etwa 30 Kilometer südlich von Jasper. Mit nur etwa 20 Metern sind diese Wasserfälle nicht allzu hoch, aber da sie wie auch der obere und der untere Flusslauf komplett eingesehen werden können, loht sich ein Abstecher auf jeden Fall. Bei Sonnenschein kann man außerdem in der aufspritzenden Gischt des Wasserfalls einen Regenbogen erkennen. Die Athabasca Falls sind zwar zu den Haupttouristenattraktionen und daher recht überlaufen, wirklich gestört hat uns das aber nicht.
Weniger nett hingegen waren die Touristenhorden, die sich zwischen den Gletscher und dem Icefields Center, einem großen Gebäude am Rande des Parkway, aufhielten. Dort ging es zu wie im Schlussverkauf, was im krassen Gegensatz zu der ansonsten eher ruhigen Atmosphäre entlang des Parkways stand. Dies ist vermutlich der Grund, weshalb es dort leider auch einige Touristenfallen gibt. Die in jeder Hinsicht größten sind wohl die Snow Coaches, busähnliche Mobile, die einen für stolze 32 CAN$ zu einem Punkt des Gletschers bringen, der nur etwas höher als der am Ende des Wanderweges liegt.
5. Juli 2007: Icefiels Parkway – südlicher Teil
Direkt am Fuß des Wilcox Creek Campground beginnt der herrliche Wilcox Pass Wanderweg, den wir an diesem Morgen in Angriff nahmen. Wenn es Reiseplanung (mit etwa 4 Stunden sollte man rechnen) und Wetter (wir hatten klare Luft und strahlenden Sonnenschein) erlauben, sollte man diesen Wanderweg auf jeden Fall mitnehmen. Er ist nicht allzu schwer, führt genau gegenüber des Columbia Icefields durch verschiedene Vegetationsstufen und bietet dabei fantastische Ausblicke, u.a. auf den Athabasca Gletscher und die Berge ringsum. Beginnend auf etwa 1800 m
6. Juli 2007: Lake Louise
Südlich der Waterfowl Lakes beginnt der Park-way wieder anzusteigen und nach etwa 15 km erreicht er Bow Summit, seinen mit 2088 m höchsten Punkt. Unmittelbar dahinter zweigt eine kleine Stichstraße nach Westen ab, die recht bald an einem größeren Parkplatz endet. Ein kurzer Wanderweg beginnt am Ende des Parkplatzes und führt leicht bergan durch einen lichten Wald zu einem Aussichtspunkt hoch oberhalb von Peyto Lake. Selbst in der allergrößten Eile sollte man sich diesen Anblick nicht entgehen lassen. Mit dem Erreichen des Aussichtspunktes öffnete sich der Wald und wir hatten plötzlich eine kilometerweite freie Sicht auf die umliegenden Berge und zu unseren Füßen lag wie ein funkelndes türkisfarbenes Juwel Peyto Lake. Ein unglaublicher Anblick, den wir nie mehr vergessen werden.
Nach weiteren rund 6 km auf dem Parkway erreichten wir Bow Lake. Wie bei den Waterfowl Lakes kann man auch am Bow Lake schön am Ufer entlang spazieren, zusätzlich gibt es dort einige Picknick-Tische.
Ohne weitere Zwischenstopps erreichten wir dann Lake Louise, neben Banff der zweite bedeutende Ort in Banff Nationalpark. Der Ort Lake Louise ist wenig interessant, eignet sich aber sehr gut zum Auffüllen sämtlicher Vorräte und hat ein hervorragendes Touristenzentrum, wo man sich mit Karten und Infos zu den Attraktionen der Umgebung eindecken kann. Und davon gibt es so viele, dass man ohne Mühe eine ganze Woche rumkriegt. So viel Zeit hatten wir aber leider nicht. Für den Nachmittag entschieden wir uns für den Besuch des Sees Lake Louise und den Aufstieg zu Lake Agnes. In einem Reiseführer lasen wir, dass der See Lake Louise der meistbesuchte Bergsee der Welt sein soll.Der Campingplatz für die anschließende Nacht, der staatliche Lake Louise Trailer Park, fiel gegenüber den tollen Erlebnissen des Tages leider deutlich ab. Die Stellplätze lagen zum Teil recht dicht nebeneinander auf einem nahezu baumlosen Schotterplatz, wir hatten eher das Gefühl, auf einem Parkplatz zu sein.
7. Juli 2007: Moraine Lake und Lower Consolation Lake
Nach gefühlten fünf und tatsächlichen neunzig Minuten machten wir uns auf den Rückweg zum Parkplatz bei Moraine Lake. Von dort ging es dann über Lake Louise nach Banff. Für die Fahrt wählten wir den Bow Valley Parkway, der etwas kürzer und reizvoller als der alternative Trans Canada Highway ist. Die Strasse schlängelt sich durch Wälder und Wiesen und brachte uns recht schnell nach Baff. Aus Zeitgründen machten wir nur einen kurzen Stopp in Höhe der Castle Mountains, einer recht imposanten mehrgipfligen Felsformation.
Übernachtet haben wir in dieser Nacht auf einem der drei Tunnel Mountain Campgrounds im Osten von Banff. Diese staatlichen Plätze sind ganz gut, sauber und nicht zu laut. Leider waren auch dort die meisten Stellplätze nicht im Wald sondern auf Wiesen und somit komplett einsehbar. Dafür wurden wir aber mit einigen zutraulichen Tieren entschädigt. In der Abenddämmerung stolzierte ein Rentier direkt an unserem Camper vorbei und beim Frühstück konnten wir durch ein Fenster so viele Erdhörnchen beobachten, dass uns das wie Erdhörnchen-TV vorkam.
8. Juli 2007: Banff
Das mit knapp 10.000 Einwohnern recht kleine Städtchen Banff ist das Zentrum des gleichnamigen Nationalparks. Es ist etwas größer als seine Schwesterstadt Jasper und überdies auch versnobter. Im Gegensatz zu Jasper gibt es darüber hinaus aber auch einige hübsche Einkaufsstraßen mit zahlreichen Krimskrams- und Andenkengeschäften, die für jeden Geschmack etwas anbieten. Vor allem jede Art von Souvenirs bekommt man dort.
Nach dem Abstieg und einen kurzen Stopp bei den Vermillion Lakes nahmen wir Abschied von den Rockys, wir machten uns auf nach Calgary, der letzten Etappe unserer Reise. Auch im Rückblick finden wir es noch erstaunlich, wie wir Flachlandtiroler uns in nur einer Woche so sehr an die Berge gewöhnt hatten, dass sie zu einer Selbstverständlichkeit wurden. Mit jedem Kilometer, den wir näher an Calgary herankamen, wurde das Land flacher und gleichzeitig unser Gefühl, hier falsch zu sein, größer. Als wir dann die Vororte von Calgary erreichten, war unser Gefühlsleben dem eines Schülers, dessen Sommerferien gerade zu Ende gegangen sind, verblüffend ähnlich: So sehr man es sich auch wünscht, etwas sehr Schönes ist unwiederbringlich vorbei.
Für unsere letzte Nacht im Camper hatten wir uns Mountain View Farm Campground nordöstlich von Calgary Downtown ausgesucht. Dieser Platz war für einen privaten Platz zwar ganz passabel, sauber und einfach zu finden. Aber trotzdem steigerte er unseren Kulturschock noch. Die Camper standen dicht an dicht auf einer Wiese, von Bergblick wie uns der Name suggerierte keine Spur und abends gab es ein Barbecue mit volkstümlicher Musik, wovon wir in unserem Camper aber glücklicherweise nicht allzu viel mitbekamen.
9. und 10. Juli 2007: Calgary
Am nächsten Morgen ging es nach Downtown, erst zum Hotel unsere Koffer abstellen und dann weiter zur CanaDream-Niederlassung in einem der nördlichen Vororte. Obwohl es Montag Morgen war, gab es keine langen Staus, wahrscheinlich sorgte auch in Kanada die Ferienzeit für eine deutliche Entspannung auf den Straßen. Die Rückgabe des Campers verlief völlig problemlos und mit der für so viele Kanadier typischen Herzlichkeit. Ein Mitarbeiter von CanaDream inspizierte gründlich den Camper und war mit dem Zustand rundum zufrieden. Im Büro gaben wir die Papiere ab, erhielten die Kaution zurück und mussten noch nicht einmal den Deckel des Abwassertankes des Campers bezahlen, der uns an diesem Morgen kaputt gegangen war. Und weil zu diesem Zeitpunkt gerade ein heftiger Gewitterschauer niederging, fuhr uns auch noch ein CanaDream-Mitarbeiter kostenlos zu einer Bahnhaltestelle, von wo wir ohne umzusteigen direkt nach Downtown fahren konnten. Was für ein Service, wir waren echt begeistert.
Während wir im Museum waren, änderte sich das Wetter grundlegend, aus heftigem Gewitter wurde strahlend blauer Himmel. Den Nachmittag und Abend bummelten wir durch Downtown und waren recht angetan, wie sich die vielstöckigen Hochhäuser ineinander spiegelten, auch wenn das für uns bei Weitem nicht mit einem glitzernden Bergsee mithalten konnte. Abends aßen wir im "Shakers", einem urigen und sehr leckeren Restaurant im südlichen Downtown mit kanadisch/amerikanischer Küche.
Unser Hotel in Calgary, das "Delta Bow", war richtig gut. Unser Zimmer war groß und sauber, hatte einen tollen Ausblick auf Downtown und ein komfortables Bad mit Badewanne, das Personal war sehr zuvorkommend und das Frühstücksbuffet unheimlich üppig und lecker. Nach zwei Wochen im Camper wirkt vermutlich jedes Hotel mehr oder weniger luxuriös, aber das "Delta Bow" würden wir jederzeit noch einmal buchen.
Unser letzter Urlaubstag stand ganz im Zeichen der Calgary Stampede. Dieses zehntägige Spektakel, das jedes Jahr im Juli stattfindet, ist der ganze Stolz von Calgary. Hervorgegangen aus einem mehrteiligen Rodeo-Wettkampf im Jahre 1912 ist die Stampede heute ein großes Volksfest, des jedes Jahr mehr als eine Millionen Besucher anlockt. Das Zentrum der Stampede ist der Stampede Park südöstlich von Downtown. Dort finden in mehreren großen Hallen die Rodeo-Disziplinen statt. Zusätzlich gibt es einen Jahrmarkt, der uns sehr an Pützchens Markt oder die Anna-Kirmes erinnerte, ein Indianerdorf zum Anfassen sowie eine große Messehalle mit allen denkbaren und undenkbaren Ausstellern, in der wir uns stundenlang hätten aufhalten können. Aber auch außerhalb des Parks war alles fest in Stampede-Hand. Nahezu alle Geschäfte waren im Cowboy-Look dekoriert, in den Straßen gab es jede Menge Fressbuden, wie an Karneval marschierten verschiedene Gruppen durch die Stadt und fast jeder in Calgary trug zumindest einen Cowboy-Hut. Die Stampede war für uns ein schöner Urlaubsabschluss, manchmal etwas verwirrend und chaotisch, aber wie die Kanadier auch sympathisch, freundlich und unaufdringlich.
Aus dem Fehler bei unserer Ankunft hatten wir gelernt und sind am Nachmittag für etwa 40 CAN$ mit dem Taxi zum Flughafen gefahren. Am frühen Abend saßen wir dann im Flugzeug und waren auf dem Weg zurück nach Deutschland.
Nachtrag:
Eigentlich sollte mit dem Abflug von Calgary auch der Reisebericht zu Ende sein. Aber kurz nach unserer Ankunft am Frankfurter Flughafen ereignete sich dort eine Episode, die so gut beschreibt, was wir an den Kanadiern lieben gelernt haben, dass wir sie hier noch erwähnen möchten.
Für die Fahrt von Frankfurt nach Siegburg wollten wir den ICE nehmen und um genügend Zeit für verschiedene Eventualitäten zu haben, hatten wir vor unserem Urlaub Tickets für einen Zug gekauft, der erst knapp zwei Stunden nach der planmäßigen Landung unseres Flugzeuges abfuhr. Da aber alles viel schneller ging als befürchtet, waren wir so früh in der Bahnhofshalle, dass wir auch einen Zug früher hätten nehmen können. Wir wussten aber nicht, ob das mit unseren Tickets möglich war und fragten dies beim Info-Schalter der Deutschen Bahn nach. Der Dame hinter dem Schalter stand imaginär in großen Buchstaben "Ich habe keine Lust auf eure blöden Fragen" auf der Stirn und genauso verhielt sie sich auch. Als erste Reaktion lehnte sie sich gelangweilt ein Stück nach vorne und fragte zurück: "Hamm ´se ´nen Sparticket?". Auf unsere Antwort, dass wir das nicht wüssten, streckte sie leicht genervt ihren Arm aus und meinte: "Geben ´se mal her!" Mürrisch dreinblickend betrachtete sie die Tickets von allen Seiten, wohl in der Hoffnung, irgendein Problem zu finden. Sie fand aber keins und entgegnete ob dieser Tatsache noch mürrischer: "Könn ´se machen, wenn ´se noch ´n Platz finden. Aber die Reservierung könn ´se vergessen!" Die Frage nach dem Weg zum richtigen Bahnsteig verkniffen wir uns. Und spätestens beim Einsteigen in den ICE nach Siegburg war uns klar: Kanada, wir kommen wieder!